1) Einleitung   6) Frühjahr 1700, 3. Tag
  2) Sommer 1699, 1. Tag   7) Frühjahr 1700, 4. Tag
  3) Sommer 1699, 2. Tag   8) Sommer 1700, 1. Tag
  4) Frühjahr 1700, 1. Tag   9) Sommer 1700, 2. Tag
  5) Frühjahr 1700, 2. Tag 10) Ende des Jahres 1700

 

 

Faverolles befindet sich in den Gärten von Versailles und zwar in der Kolonnade, um seinen neuen Arbeitgeber Lhuillier zu treffen. Die Kolonnade ist ein Hain im Stil eines antiken Tempels, an dessen Seiten die für Versailles berühmten Wasserspiele zu finden sind. Im Zentrum der Anlage befindet sich heutzutage eine Statue, die die Entführung von Proserpina durch Pluto darstellt. Als Faverolles in den Gärten erscheint, sind Mansart der Gebäudeaufseher und Depuis, der Gärtner des Königs in ein Gespräch vertieft. Sie beklagen die hohen Kosten dieses Teils der Gartenanlage und ergehen sich in allgemeinen Äußerungen über die Fähigkeiten des Gartenbauarchitekten André Le Nôtre. Des weiteren planen sie die Aufstellung der oben erwähnten Statue.

- Wie stellen wir die Symbole auf? Die Sonne geht im Osten auf – das ist auf dieser Seite -  und am Abend steht sie hier. Proserpina wird von Pluto entführt, also....? - Schweigt mir mit diesem Geschwätz, dass der Erhalt der Haine zu kostspielig sei. Tut gefälligst etwas dagegen. Ich spreche nicht von dem Erhalt, sondern von den ständigen Veränderungen. Sobald wir einen neuen Hain angelegt haben, muss ich ihn wieder aufgraben, um die neuen Leitungsrohre zu verlegen.- Nichts ist zu gut für Seine Majestät. Doch sind die Phantasien Le Nôtres bei weitem die kostspieligsten..- Mit allem Respekt. Erlaubt mir Euch zu versichern, das ist nicht das Geringste.. 

Lhuillier spielt keine wesentliche Rolle in diesem Gespräch. Er steht mehr oder weniger nur daneben.

Faverolles lauscht dem Gespräch, bis sich Mansart schließlich an ihn wendet: Ihr, Monsieur, Euch kenne ich nicht und Ihr habt gewiss einen neuen Blickwinkel. Sagt uns, was haltet Ihr vom Ballsaal und der Kolonnade? Es ist wichtig, dass unser junger Held einen guten Eindruck beim Gebäudeaufseher hinterlässt, wenn ihm an einer Anstellung etwas liegt. Also gilt es, richtig auf die gestellte Frage zu antworten. (Leider weist das Spiel hier einen Fehler auf. Die Auswahlantworten sind völlig unsinnig: 1) Ich habe hier einen Brief von ihm; 2) Ich kann mir unmöglich eine Unterkunft zu diesem Preis leisten.) Faverolles stutzt und versucht zu einer Lösung zu gelangen: Meine Güte – der Ballsaal und die Kolonnade! Welches ist nun das Werk Mansards? Der eine ist Architekt, der andere Gärtner! Schließlich wählt er die zweite Antwort aus: Die Kolonnade sieht viel neuer aus, Euer Gnaden! Volltreffer! Faverolles erntet ein dickes Lob des Gebäudeaufsehers: Welch’ ein scharfsinniger Bursche. Wie ist Euer Name, Jüngling? Charles-Louis de Faverolles, Euer Gnaden. (Letztendlich spielt es jedoch keine Rolle, welche der beiden Antworten Faverolles wählt. Wählt er die 1. Antwort beträgt das Anfangsgehalt statt 80 nur 40 Livres) Lhuillier nutzt nun die Gelegenheit, um Faverolles seinem Vorgesetzten vorzustellen und diesem vorzuschlagen, seinem Schützling eine Anstellung zu geben:  Ich möchte ihn für eine Weile einstellen – als Ersatz für meinen Assistenten, der krank ist, wie ihr wisst. Seid Ihr einverstanden? - Mansart: Absolut!

Unser Held erhält sein erstes Gehalt in Höhe von 80 Livres (Pfund):  Hier habt Ihr zunächst Euer halbes Gehalt für Juli 80 Livres und den Auftrag, dem spanischen Botschafter Castel dos Rios am Nachmittag die Gärten zu zeigen. Mansart fordert Lhuillier auf, seinen Assistenten am Nachmittag mitzubringen: Bringt ihn heute Nachmittag um drei Uhr mit auf die Terrasse. Der spanische Botschafter Marquis de Castel dos Rios wünscht die Gärten zu besichtigen. Ich warne Euch, das Wasser in den Hainen wird nicht fließen, denn der König teilte dem Verwalter heute morgen mit, dass sich sein Spaziergang verzögert.

Dummerweise verlangt Lhuillier nun den Geldbeutel zurück, den er unserem jungen Helden am Abend zuvor überreichte: Ihr habt doch die Börse noch, oder? Bringt Sie mir auf der Stelle!

Im folgenden wird Faverolles dem spanischen Botschafter Castel dos Rios vorgestellt. Er erhält einen Schlüssel und eine genaue Anleitung für den Besuch der Gärten:

Herr Botschafter, dies ist Monsieur Faverolles, der Euch die Gärten zeigen wird. Hier sind die Anweisungen und der Schlüssel zu den Hainen. Neben einer Wegbeschreibung steht Faverolles nun auch eine Liste der Haine zur Verfügung. (Leider können beide nicht über das Inventar angewählt werden, so dass dem Spieler im Folgenden nur eine Konsultation der dem Spiel beiliegenden Dokumentation weiterhilft).

Castel dos Rios: Die Schlüssel zu den Hainen? Ich hörte, sie seien öffentlich zugänglich.

Mansart: Das ist richtig, Monsieur, das waren sie auch. Doch kamen so viele Menschen aus Paris und ganz Europa, dass viel Schaden angerichtet wurde. So sah sich Ihre Majestät gezwungen, sie wieder zu schließen und zögert nun, sie wieder zu öffnen. Doch wünschte sie immer, dass das Vergnügen der Gärten jedermann offenstünde. Wohlan Herr Botschafter, fangen wir also an. Wir werden uns später treffen auf des Königs Spaziergang. Dann könnt Ihr mir von Eurem Rundgang berichten. Kommt Ihr Lhuillier? Nicht so schnell, Lhuillier, wir müssen reden!

Der spanische Botschafter zeigt sich sehr beeindruckt von den Gärten und beginnt Faverolles mit Fragen zu bombadieren, um dessen Kenntnisse zu testen und natürlich auch sein eigenes Wissen unter Beweis zu stellen: Welche Größe! Ich schmeichle mir, die Gärten von Versailles sehr gut zu kennen – aus Büchern. Ich besitze mehrere Drucke von Kupferstichen – den mit den Skulpturen habe ich sogar in der Tasche. Doch kann ich die einzelnen Teile nicht unterscheiden. Verzeiht mir bitte, falls ich zu viele Fragen stelle.

1. Frage: Zum Beispiel habe ich den Namen dieses Rasenpfades mit dem großartigen Ausblick vergessen. Wie war der noch, „la grande

    allée“? Die richtige Antwort lautet: "Le Tapis Vert"

2. Frage: Natürlich. Und dieser atemberaubende Blick? Liegt er in ostwestlicher und in nordsüdlicher Richtung? 

    Faverolles antwortet wahrheitsgemäß: "ostwestlicher".

Aber natürlich. Er folgt dem Pfad der Sonne. Gut. Gehen wir hinunter in die Haine.  

 

Faverolles schlägt einen anderen Weg vor, woraufhin beide auf die Terrasse gelangen, die einen hervorragenden Blick auf die Orangerie eröffnet: Vielleicht könnten wir zunächst einen kurzen Blick auf die Orangerie werfen.

 

Castel dos Rios: Dies ist also die berühmte Orangerie. Wie prachtvoll so viele Bäume hier gedeihen zu sehen, die wir auch in unseren spanischen Gärten haben: Orangenbäume, Bäume der Sonne. Diese Beete, eingefasst von Rasenflächen nach Entwürfen von Monsieur Le Nôtre. Der Weg führt weiter zum Ballsaal (Bosquet des Rocailles).

Castel dos Rios: Wie wird dieser Hain genannt?

Faverolles: Dies ist der Ballsaal. Er zählt zu Le Nôtres großartigsten Werken. Als nächstes führt der Rundgang zur Kolonnade, dem Hain in Form eines Tempels, wo Faverolles an diesem Morgen auf Mansard traf.

Castel dos Rios: Ah! Ich erkenne diese Kolonnade! Seit Beginn des Rundgangs wird deutlich, dass der spanische Botschafter unserem jungen Helden sehr wohlgesonnen ist. Faverolles wagt zu hoffen, dass er das Gespräch irgendwann auf seine persönlichen Belange bezüglich Elvira Malaga y Santiago bringen kann. Hier in der Kolonnade lässt ihn der spanische Gesandte an seinen Überlegungen – die Spanische Thronfolge betreffend - teilhaben:  Um zu unserem Gespräch von Spanien zurückzukehren, es ist die größte Furcht meines Herrn Carlos’ II., der ohne Erben stirbt, dass die auswärtigen Mächte – nämlich Frankreich, das Kaiserreich, England und Holland insgeheim planen, die spanischen Besitztümer unter sich aufzuteilen.

Faverolles: Hat man das nicht bereits versucht?

Castel dos Rios: Das hat man in der Tat. Doch ist bisher alles fehlgeschlagen.

Der Rundgang führt weiter durch die Gärten und eröffnet einen Blick auf den Brunnen mit Apolls Wagen. Der spanische Botschafter versucht hier etwas mehr über Faverolles in Erfahrung zu bringen: Ihr wart also unter Königin Marie-Louise in Spanien und Eure Mutter war ihre Hofdame. Heutzutage ist unsere neue Königin Deutsche und in ihrem Gefolge befindet sich eine gewisse Gräfin von Perlitz, die uns manches Kopfzerbrechen bereitet.

Als nächstes führt Faverolles Castel dos Rios in die L’Encelade (Enkelados). Auch hier kennt sich der Botschafter genauestens aus:

Dies ist also der Riese Enklados, der es wagte, Jupiter heraus zu fordern und bestraft wurde. Eine gute Lektion in Politik. Doch gehört seine Geschichte nicht zur Legende um Apoll. Apoll, der in Wirklichkeit euren Herrscher darstellt – Ludwig XIV., den Sonnenkönig.

Faverolles wendet sich nach links, und erblickt eine Dame, die in einem der Alkoven sitzt. Er begibt sich in ihre Richtung gefolgt vom Botschafter und gelangt zum Wagen des Apolls. Hier stellt der spanische Botschafter die Kenntnisse des jungen Mannes erneut auf die Probe: Welche Skulpturen im Garten stammen aus der Legende des Apoll?

Faverolles bittet den Gesandten, ihm sein Kupferstichalbum zur Verfügung zu stellen, damit er dessen Fragen richtig beantworten kann: Davon gibt es viele! Wenn Ihr mir Euer Kupferstichalbum leiht, kann ich Euch leichter antworten! Die beiden sehen sich verschiedene Kupferstiche an und Faverolles muss herausfinden, ob sie etwas mit Apoll zu tun haben:

 

JA NEIN JA JA

 

Bild 1:  Diese gehört dazu. Sie stellt Apolls Wagen dar:

Castel dos Rios: Ja, die haben wir gerade gesehen.

Bild 2:  Nein, diese gehört nicht dazu.

Castel dos Rios: Ihr habt Recht. Dies ist die Entführung Proserpinas durch Pluto. Eine herrliche Marmorgruppe des Monsieur Girardon, die in der Kolonnade aufgestellt werden soll.

Bild 3: Ja, diese gehört dazu.

Castel dos Rios: Das stimmt. Hier sehen wir Apoll als Knaben mit seiner Mutter Laturne.

Bild 4:  Diese gehört dazu.

Castel dos Rios: Ja, hier wird Apoll von Nymphen bedient.

Die letzte Etappe der Besichtigung führt in den Marais (Sumpf)-Hain auch als Arbre-de-Fer oder Chêne-Vert-Hain bekannt.

Castel dos Rios: Wohin bringt Ihr mich jetzt?

Faverolles: Ich bringe Euch in einen anderen Hain.

Castel dos Rios: Ah, dies ist der Arbre de Fer Hain. Wie ich glaube kennt man ihn auch als Marais-Hain oder als Chêne-Vert- Hain.

Faverolles wendet sich nach rechts und muss eine letzte Frage beantworten: Dies ist auf jeden Fall mein Lieblingshain. Wie viele Haine gibt es insgesamt: 8, 12, 14?

Auch hier kann Faverolles die Frage richtig beantworten: "vierzehn".

Der spanische Botschafter beendet den Rundgang, da die Zeit schon sehr vorangeschritten ist: Wir werden die übrigen ein anderes Mal besichtigen. Kehren wir zum Schloss zurück. Es ist beinahe fünf Uhr. Castel dos Rios ist des Lobes voll über die gelungene Führung und vergisst nicht, das Gespräch auf die Herzensdame unseres jungen Helden zu bringen: Dieser Rundgang hat mich geradezu verzaubert. Eben erwähntet Ihr eine Maid namens Elvira, deren vollen Namen Ihr aus Diskretion verschwiegt. Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich ihn zu kennen. Lautet er vielleicht Elvira Malaga y Santiago?

Faverolles: In der Tat! Wie bemerkenswert! Kennt Ihr sie etwa?

Castel dos Rios: Sie ist die Tochter eines meiner besten Freunde. Was Euren Herzenswunsch angeht - nach Spanien aufzubrechen - , ich werde Euch einen Pass auszustellen. Ah! Wie ich sehe, beginnt der königliche Spaziergang.

Faverolles: Seht! Der Herzog d’Anjou ist...

Castel dos Rios: Ich verabschiede mich jetzt, Monsieur Faverolles, und hoffe, Euch bald wiederzusehen.

In diesem Augenblick beginnt der Spaziergang des Königs, der sich in Begleitung von Mansart und dem Duc d’Anjou in die Gärten begibt. Der spanische Botschafter gesellt sich zum Gefolge Ludwigs XIV.

Faverolles kehrt (automatisch) zurück zur „Grand Commun“. Die letzten Worte Mansarts gegenüber Lhuillier („Nicht so schnell, Lhuillier, wir müssen reden“) geben ihm zu denken. Lhuillier schien irgendwie beunruhigt. Könnte es sein, dass er in irgendeiner Weise in den Diebstahl des Diamanten des Dauphin verwickelt war. Was war es, was Mansart von Lhuillier wollte? Auf jeden Fall hatte ihn Lhuillier gebeten, die Börse mit dem Diamanten – den unser junger Held beim Spiel verloren hatte – zurückzuerstatten. Ehe er Lhuillier einen Besuch abstattete, sollte er versuchen, den Diamanten zurückzugewinnen. Also kehrt Faverolles in den Gasthof zurück, wo er bereits von dem Spieler erwartet wird. Auch der Wirt versäumt es nicht, Faverolles auf seine Schulden hinzuweisen: Vergesst nicht, Ihr schuldet mir 15 Livres!

Faverolles wagt also ein neues Spiel, der Einsatz ist der Diamant.

Spieler:  Seid Ihr zu einer neuen Runde Titotam gekommen? Ist das nicht ein großartiges Spiel?

Faverolles: Ich spiele nur um den Diamanten.

Spieler: Oh weh! Ein hoher Einsatz also. Nehmt Platz! Erinnert Ihr Euch an die Regeln: Wir setzen, wir drehen und wenn niemand gewinnt, beginnen wir von Neuem.

Faverolles setzt alles auf eine Karte und erhöht von Spiel zu Spiel den Einsatz. Nach kurzer Zeit winkt im das Glück und der enttäuschte Gegenspieler muss ihm den Diamanten zurückgeben: Verflucht! Mein Reichtum hat nicht lange gewährt. Der Diamant gehört wieder Euch!

Jetzt kann Faverolles auch dem Wirt die ausstehenden Schulden begleichen. Faverolles verlässt den Gasthof, wendet sich nach links und steigt die Treppe zu dem Gebäude auf der anderen Seite hinauf. Er versucht nach oben in das Zimmer des Gebäudeaufseherassistenten zu gelangen, wird jedoch von einer Schweizer Gardeoffizier daran gehindert. Auch der Weg in das Zimmer des Maître d’hôtel bleibt ihm verwehrt: Ihr könnt das Zimmer des Maître d’hôtel nicht betreten, Monsieur! Ihr habt keinen Fürsprecher am Hof! Hier scheint irgendetwas Schwerwiegendes geschehen zu sein. Sollte Lhuillier wegen des Diamanten unter Arrest gestellt worden sein. Irgendwie fühlt sich Faverolles dem Mann verpflichtet, der ihm zu seiner ersten Anstellung bei Hofe verholfen hat. Da ihm der Weg durch die Wachen versperrt bleibt, begibt er sich in die Küche, um Näheres in Erfahrung zu bringen und nach einer Möglichkeit zu suchen, doch noch in das Zimmer von Lhuillier zu gelangen. Vom Küchengehilfen La Perdrix erfährt er die notwendigen Einzelheiten.

Faverolles: Was macht dieser Uniformierte auf der Treppe?

La Perdrix: Der hat M. Lhuillier verhaftet. Er ist in seinem Zimmer und sucht seine Sachen zusammen. Die Küchenhilfe hat ihm sein Essen gebracht, doch er kam sehr spät zurück. Ich wollte es ihm gerade hinaufbringen, als die Polizei eintraf.

Faverolles: Ich muss Lhuillier treffen, es ist von größter Wichtigkeit. Wie stelle ich das nur an?

 

Faverolles beschließt, La Perdrix’ Rolle zu übernehmen und Lhuillier das Essen zu bringen. Er sieht sich in der Küche um und entdeckt eine Schürze auf dem Tisch. Er zieht sie an (auf das Bild von Faverolles rechts im Inventar klicken, dann die Schürze auf ihn anwenden und das Symbol links unten anklicken), dreht sich um und nimmt das Tablett mit Lhuilliers Mahlzeit an sich. Jetzt gelingt es ihm tatsächlich, bis zu Lhuillier zu gelangen. 

 

Er erklärt der Schweizer Garde sein Anliegen und wird durchgelassen: Ich bringe M. Lhuilliers Mahlzeit. Er hat das Recht zu essen, oder?- Schon gut! Kommt herein! Eilt Euch!

Auch bei der zweiten Wache ist er erfolgreich: Der Gefangene hat das Recht zu essen. Kommt herein. Faverolles stellt das Tablett auf den Tisch, und Lhuillier fragt ihn sofort ihn nach der Börse mit dem Diamanten: Faverolles, was tut Ihr denn hier?

Faverolles: Was ist Euch nur geschehen, Monsieur?

Lhuillier: Ihr habt doch die Börse noch, die ich Euch gegeben habe?

- Ja. Erleichtert hört Lhuillier diese Antwort und bittet Faverolles um Hilfe: Rettet mich! Gebt dies Seiner Hoheit, dem Dauphin, oder einem seiner Söhne. Sucht sie auf! Schnell! Der Dauphin muss unbedingt mit seinem Vater, dem König sprechen. Mein Leben steht auf dem Spiel. Faverolles steigt die Treppe wieder hinunter und erfährt von La Perdrix, dem Küchengehilfen, dass nur noch der Herzog d’Anjou in Versailles anzutreffen ist, da der König und der Dauphin das Schloss verlassen haben.

La Perdrix: Konntet Ihr mit M. Lhuillier sprechen?

Faverolles: Ja. Jetzt muss ich seine Hoheit aufsuchen und ihn dazu bringen, mit dem König zu reden.

La Perdrix: Den Dauphin? Ich habe gehört, er sei mit zweien seiner Söhne, den Herzögen von Bourgogne und Berry auf seinem Schloss Medon. Nur der Herzog d’Anjou ist noch in Versailles.

Es gilt also keine Zeit zu verlieren! Faverolles kleidet sich als Höfling (Hut, Handschuhe, Degen), da er sonst dieses Gebäude nicht verlassen kann (Dennoch lasse ich mich nicht abweisen wie ein Lakai!) und  begibt sich auf die Suche nach dem Herzog. Er wendet sich auf der Straße nach rechts, dann wieder nach links und gelangt über die Karte in die Gärten. Vier Orte stehen ihm dort zur Verfügung, an denen er nach dem Herzog suchen kann. Die fünfte Möglichkeit – die Ställe – schließt er von vorneherein aus. Im Ballsaal wird ihm von einem Arbeiter mitgeteilt, das sich der König in der Encelade (Enkelados) befindet.  Ähnlich verhält es sich in der Kolonnade und im Marais-Hain (Sumpf). Also scheint sich der Herzog wohl auch in Enkelados im Gefolge des Königs zu befinden.

Am Eingang spricht er den Herrn an: Ich suche den Herzog d’Anjou und erfährt, dass sich der Herzog hier befindet: Seht Ihr in nicht?

Faverolles geht hinein und trifft auf den spanischen Botschafter, der in ein Gespräch mit dem Duc d’Arcueil vertieft ist. Faverolles spricht Castel dos Rios an und erfährt, wo sich der Herzog befindet: Seine Hoheit ist dort drüben an der Seite des Königs. Unser junger Held wendet sich nach links dorthin, wo sich der König mit Mitgliedern seines Gefolges befindet. Leider wird im der Zugang durch einen Schweizer Gardisten versperrt: Monsieur, Ihr dürft Euch dem König auf seinem Spaziergang nicht nähern!

Faverolles: Aber es ist lebenswichtig, dass ich den Herzog d’Anjou spreche!

Schweizer: Die Befehle gelten auch für Ihre Gnaden, die Prinzen. Unverrichteter Dinge kehrt Faverolles zum Eingang zurück und wendet sich erneut hilfesuchend an den spanischen Botschafter Castel dos Rios. Er überreicht ihm die Börse mit dem Diamanten und bittet ihn, diese weiterzuleiten: Würdet Ihr dies im Namen von Lhuillier dem Herzog d’Anjou geben und ihn bitten, bei Seiner Majestät für ihn zu sprechen? Der Gesandte ist bereit, die Vermittlerrolle zu übernehmen: Ich werde dem Prinzen diese Börse geben und darauf bestehen, dass er unverzüglich mit dem König spricht.

Faverolles ist es gelungen, Lhuilliers Kopf zu retten, und er selbst übernimmt im Dienste Mansarts dessen Aufgaben.

 

Das ganze Ausmaß der Lhuillier Affäre sollte erst später deutlich werden. Trotz des vorbildlichen Dienstes, den Monsieur de Merdon erwiesen hatte, konnte der arme Mann der Versuchung nicht widerstehen und stahl eine Schnalle mit drei großen Diamanten, mit der Prinz seinen Hut geschmückt hatte. Lhuillier behielt nur einen davon, für seine Mätresse. Als er versuchte, die beiden anderen zu verkaufen, erkannte der Goldschmied des Königs die Steine wieder. Der König wollte Lhuillier nicht hängen sehen, doch auf Betreiben Monseigneurs wurde er lediglich in die Verbannung geschickt. Seine Pflichten als Gebäude- Unteraufseher und seiner Unterkunft in der Grand Commun gab Mansart Faverolles. Doch Faverolles wünschte sich vielmehr, eine Stellung am spanischen Hof zu erhalten, statt am französischen, weil Elvira das Mädchen, das er liebte, am spanischen Hof war...

 

 

© Copyright Renate Pieper

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