Einleitung

1) Teil 1: Ankunft in Jerusalem

2) Teil 2: Das Komplott

3) Teil 3: Ende gut - Alles gut!

 

 

Adrian hat bereits einen Verdacht, was den eigentlichen Drahtzieher in dieser Angelegenheit betrifft. Ehe er sich jedoch daran macht, die erforderlichen Beweise zu beschaffen, begibt er sich nochmals zum Sufi in der Bibliothek in der Hoffnung, seinen Kenntnis- und Wissensstand ein wenig aufbessern zu können. Es ist sehr wichtig für unseren Helden, etwas über die Funktion der Todesengel, von denen in dem verkohlten Schriftstück die Rede war, und mehr über die Vorstellungen der einzelnen Religionen ein Leben nach dem Tode betreffend, in Erfahrung zu bringen: Ich komme nochmals, um dein großes Wissen in Anspruch zu nehmen Wäre es möglich, dass wir uns trotz der fortgeschrittenen Stunde noch etwas unterhalten?

Sufi: Sicher doch. Ich höre dir zu.

Adrian: Was kannst du mir zu Nakir und Munkir sagen?

Sufi: Das sind die Engel, deren Aufgabe es ist, die guten und die schlechten Taten, die wir begangen haben, zu bewerten.

Adrian: Was sagt die islamische Religion über den Tod?

Sufi: Mhm, nun es ist der Tod, der entscheidet, wer ein guter und wer ein schlechter Gläubiger ist. Er ist es, der die Heuchler entlarvt, die ihre Pflicht als Moslem aus Gewohnheit oder aus Konformismus erfüllt haben, ohne tatsächlich zu glauben. Sie schickt der Tod in die ???, in die Hölle, wo sie auf ewig schmachten. Doch der wahrhaftig fromme Mensch, so sagt man, sitzt bei Allah im Paradies.

Adrian: Wie sieht die Religion der Christen den Tod?

Sufi: Ziemlich ähnlich wie wir die Moslems. Diejenigen, die die frohe Botschaft, die Jesus Christus verkündete, anerkannten, kommen zu Gott Vater ins Paradies. In die Hölle jedoch kommen all’ diejenigen, die ihren Hochmut angesichts der Großzügigkeit der göttlichen Vergebung nicht fallen ließen. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen dem christlichen und dem islamischen Glauben. Am Tag des Jüngsten Gerichts werden die Toten auferstehen gleich dem Beispiel Christi, das sagen zumindest die Apostel, zumindest Paulus.

Adrian: Weißt du, ob die Seele in der jüdischen Religion nach dem Tode weiterlebt?

Sufi: Mhm, bei den Hebräern ist das kompliziert. Lange haben sie behauptet, dass die menschliche Seele nach dem Tode weiterlebt, aber das sie dann im Scheol, im Tal der Schatten und der Trauer lebt, in dem sie nicht einmal mehr Gott lobpreisen kann. Später, zur Zeit, als scheinbar Jesus lebte, glaubten die Juden, die man Sadduzäer nannte, nicht mehr an die Auferstehung der Toten, wogegen die Pharisäer daran glaubten. Heutzutage glauben sie wieder alle, ebenso wie wir, an ein Weiterleben der Seele - jedoch unabhängig von der Auferstehung.

Adrian: Die drei Religionen glauben also an ein Leben nach dem Tode?

Sufi: Eine Definition davon zu geben ist sehr schwierig. Ich würde nicht sagen, an ein Leben im irdischen Sinne. Sagen wir, sie kamen überein, dass das Abenteuer des Geistes nicht nach der Zerstörung des Körpers endet.

Adrian versucht nun, etwas mehr über seinen Hauptverdächtigen, den Kämmerer Ibrahim, in Erfahrung zu bringen. Er begreift, dass Ibrahim allen Grund hat, auf ein besseres Leben nach dem Tode zu hoffen, da sein irdisches Leben ihm nicht viel Freuden zu bieten hat.

Adrian: Kennst du Ibrahim seit langem?

Sufi: Seit er vor zehn Jahren nach Jerusalem kam. Er ist ein sehr guter Mann, dem Statthalter ganz und gar ergeben. Du willst doch wohl nicht diesen armen Mann verdächtigen?

Adrian: Warum nennst du ihn einen armen Mann?

Sufi: Ibrahim ist Abtar. Er hat keine Nachkommen. Bei den Moslems ist das fast ein Makel. Besser ist es, Linkshänder als Abtar zu sein.

Adrian: Ibrahim hat also nie Ehefrauen gehabt.

Sufi: Ibrahim hatte viele Ehefrauen und Konkubinen, aber keine gab ihm Kinder. Ich glaube, dass der Statthalter ihm aus diesem Grund auch nicht Hykmahs Hand gewähren wollte.

Adrian: Ah, der Kämmerer hatte es sich in den Kopf gesetzt, Hykmah zu heiraten! Jetzt muss ich mich doch etwas näher mit Ibrahim befassen.

Endlich glaubt Adrian seinen Verdacht bestätigt. Dies könnte ein Motiv sein. Sollte der als Schwiegersohn verschmähte Kämmerer Ibrahim Hykmah entführt haben, um sich am Statthalter zu rächen? Unser Held beschließt, sich in den Gemächern des Kämmerers einmal etwas umzusehen.

Adrian begibt sich also zum Vorzimmer von Ibrahims Gemächern, wo er auf eine Wache trifft. Er spricht den Mann an: Seid Ihr die ganze Nacht im Dienst?

Janitschar: Zum Glück nicht! Ich werde bald abgelöst.

Nach diesem kurzen Gespräch befindet sich Adrian erneut vor dem Vorzimmer des Kämmerers. Man hat ihn einfach vor die Tür gesetzt. Dieses Mal jedoch hat er einen Blick aus der Vogelperspektive auf den Korridor, der zu Ibrahims Gemächern führt.

 

Auf dem langen Gang, der auf der rechten Seite mit drei Nischen versehen ist, in denen sich kleine Wasserbecken befinden, patrouilliert eine Wache. Adrian beobachtet, dass der Janitschar jeweils bis zur Mitte des Flures geht, um sich dann umzudrehen und zurück zu gehen. Es müsste unserem Helden also eigentlich gelingen, unter Zuhilfenahme der Nischen auf der rechten Seite unbemerkt über diesen Gang zu gelangen, wenn er den Augenblick jeweils nützt, in dem  ihm die Wache den Rücken zukehrt.

 

Sobald die Wache sich umdreht, eilt Adrian in die erste Nische, versteckt sich hinter dem Wasserbecken, und geht dann, sobald er die Wache verschwunden ist, noch einen Schritt vor, um bei der nächsten Gelegenheit schneller wieder auf den Gang zu gelangen. Diesen Vorgang wiederholt er zweimal und schlüpft schließlich durch die Tür am anderen Ende des Korridors in Ibrahims Gemächer.

 

Dort kann er sich in aller Ruhe umsehen. Im ersten Raum wendet er sich nach links, wo er an der Wand neben der Tür einen Säbel hängen sieht. Dieser lässt sich nach links aus der Scheide ziehen, worauf die Inschrift Mohacs 932 sichtbar wird.  Adrian merkt sich dieses Datum und setzt seinen Rundgang fort. Er dreht sich nach rechts und entdeckt eine in die Wand eingelassene Öffnung, die mit einem Gitter versehen ist, an dem ein Zahlenschloss hängt. Adrian versucht sein Glück und gibt das soeben gefundene Datum 932 ein. Das Schloss springt auf, das Gitter öffnet sich und dahinter verbirgt sich ein Kästchen, das Adrian an sich nimmt.

 

Vergeblich versucht er, den Behälter zu öffnen. Leider findet er keinen geeigneten Gegenstand in seinem Gepäck. Er erinnert sich an den Nagel, der ihm in der Gefängniszelle gute Dienste geleistet hat, und macht sich auf die Suche nach etwas Entsprechendem. Auf der anderen Seite dieses Raumes befindet sich ein Kamin, in dem er noch etwas Glut entdeckt. Adrian begibt sich durch den Rundbogen in den angrenzenden Raum. Links vom Eingang kann er eine Nadel und ein Schale mit Zucker (Öllämpchen mit Karamell) an sich nehmen. Er probiert die Nadel am Schloss des Kästchens aus, muss jedoch feststellen, dass sie zu dünn ist. Da kommt ihm eine Idee. Vielleicht kann er die Nadel ja in etwas karamellisierten Zucker tauchen, um sie etwas zu verdicken. Er wendet sich nach rechts und entdeckt eine Kochstelle auf einem gusseisernen Gestell. Er nimmt die Kasserolle („Kocher“) unter dem Topf an sich, begibt sich in den ersten Raum und füllt den Kocher mit etwas Glut aus dem Kamin. Dann stellt er das Gefäß wieder unter den Topf auf der Kochstelle. Auf einem Tischchen mit einer Obstschale kann er eine Wasserkanne und einen Spachtel an sich nehmen.

 

Mit der so „verdickten Nadelbearbeitet er erneut das Schloss des Kästchens. Jetzt lässt es sich öffnen.
Adrian findet darin ein Fläschchen in einer der vier Vertiefungen. Die übrigen drei sind leer. Unserem Held wird schnell klar, dass sich vermutlich Gift in diesem Fläschchen befindet („Sicherlich Giftfläschchen“).
Er begibt sich zurück zu der Kochstelle, gießt etwas Wasser in den Topf und entleert dann    das „Öllämpchen mit dem Karamell“ ebenfalls in  den Topf. Mit dem Spachtel rührt er die klebrige Masse um und taucht anschließend die Nadel in das Karamell.

 

Wo der Inhalt der drei fehlenden anderen Flaschen seine Verwendung gefunden hat, hat er in Hayyats Behausung ja selbst feststellen können. Vor dem Fläschchen auf dem Boden des Kästchens liegen 3 Schriftstücke, die Adrian einsteckt und liest.  Zunächst wirft er einen Blick auf Hayyats Brief:

 

Oh du, Ibrahim, erster meiner Jünger!

Wenn Du diesen Brief findest, haben mich deine Männer bereits aus dem ekelhaften Gefängnis befreit, in dem ich vermoderte, und die Ausführung unseres Plans hat begonnen. Ich füge in letzter Minute eine Veränderung hinzu. Ich glaube, dass der Ort, den wir als Versteck für die Tochter des Statthalters und mich vorgesehen haben, nicht sicher genug ist. Ich werde ihn also ändern. Ich sage dir noch nicht, wo er ist, denn ich habe ihn noch nicht festgelegt. Ich werde ihn zum richtigen Zeitpunkt jenen mitteilen, die den Spuren folgen, die ich hinterlassen habe. Wie dem auch sei, es wird an einem heiligen und verbotenen Ort sein, einer Art Heiligtum, einem Ort, der dem grandiosen Finale, das ich vorbereitet habe, würdig ist. Danke für deine Hilfe, mein Jünger, und sei gewiss, dass du in dem Buch, das die Schriftgelehrten aller Länder aus meinem Werk verfassen werden, einen guten Platz erhalten wirst.

Hayyat

 

Dann liest er den Brief des Statthalters an Ibrahim, den Kämmerer:

 

22. Nissan 956

Mein Freund,

ich bin mir des Leides bewusst, das ich dir zufüge, indem ich dir die Hand meiner Tochter, meiner geliebten Hykmah verweigere. Dies schmerzt uns beide, denn ich kenne keinen edleren Freier als dich. Dich zu den Meinen zu zählen, wäre nur Gerechtigkeit nach all’ den Jahren, die du mich treu unterstützt hast, sei es durch Rat oder durch Tat, immer dann, wenn grausame Prüfungen auf mich zukamen. Der Tod meiner Söhne und der meiner sanften und schönen Layla. Unglücklicherweise hat dir Allah noch keine Nachkommen gewährt. Hykmah ist nun mein einziges Kind und meine einzige Hoffnung, unsere Nachkommenschaft fortzusetzen. Du verstehst sicherlich, dass ich sie für einen Mann aufbewahre, von dem ich sicher bin, dass er mich zum Großvater macht. Sei’ dir auf ewig meiner Freundschaft bewusst, so dass du weiterhin am Wohlergehen Allahs, was dir einzig am Herzen liegt, wirken kannst.

 

Laylas Brief enthüllt schließlich einige schreckliche Dinge über den Kämmerer Ibrahim:

 

08. Mucharam 939

Ibrahim.

Dieser Brief soll Euch zeigen, wie leid ich es bin, erneut die grobe Beleidigung Eures lächerlichen Buhlens ertragen zu müssen. Ich hatte gehofft, dass die Zeit Eure Leidenschaft verblassen ließe, und dass zumindest meine Mutterschaft Eure schändliche Lüsternheit knebelt. Doch erneut stören Eure unziemlichen Reden das Glück, dass ich mit meinem Gatten und mit meinem Kind genieße. Euer Wesen, Eure Blicke, Eure bloße Anwesenheit sind hier unerträglich. Dennoch wünsche ich mir, den Skandal zu vermeiden, indem ich Euch zwei Tage gewähre, um zu verschwinden. Nach dieser Frist werde ich nicht mehr zögern, Euer Benehmen an den Tag zu bringen. Ich zweifle nicht, dass Eure Talente Euch ermöglichen, ein neues Leben zu beginnen. Allah sei gedankt. Unser Reich ist groß genug, dass Ihr weit von uns entfernt, seiner Größe dienen könnt.

Layla

 

 

Adrian ist entsetzt. Welche Abgründe der menschlichen Seele lernt er hier kennen. Der Kämmerer Ibrahim ist ein Verbrecher, der vermutlich auch für den Tod von Layla, der Frau des Statthalters verantwortlich ist. Über die Jahre hinweg hat er offensichtlich alle Menschen, die ihm nicht zu Willen waren, mittels Gift aus dem Wege geräumt. Und in einem letzten Streich hat er sich die Willfährigkeit des Eiferers Hayyat zunutze gemacht, um den Statthalter an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen und die Entführung von dessen einziger Tochter Hykmah zu begünstigen. Wie die Briefe und das Vorkommnis mit dem Brandstifter vermuten lassen, befinden sich die Janitscharen am Hofe des Statthalters ebenfalls in seinen Diensten. Ehe er Ibrahims Gemächer verlässt, um dem Statthalter von seinen Erkenntnissen Bericht zu erstatten, sieht sich Adrian in diesem zweiten Raum noch ein wenig weiter um. Auf einer Fensterbank fällt ihm ein Dolch in die Hände.

 

Im Ratssaal angekommen wird Adrian bereits mit einer veränderten Situation konfrontiert. In der Zwischenzeit hat sich Ibrahim selbst verraten, und der Statthalter hat erkennen müssen, dass er von seinem Ratgeber jahrelang auf die gemeinste Art und Weise hintergangen wurde.

Statthalter: Sekretär, du wirst es nie erraten. Ibrahim wurde dabei überrascht, wie er sich intensiv mit dem Brandstifter unterhielt!

Adrian: Gebt mir eine Chance, Statthalter!

Statthalter: Nun, Sekretär, du täuscht Dich. Ibrahim wurde dabei überrascht, wie er versuchte, den Brandstifter zu vergiften.

Adrian:  Ich kann es einfach nicht fassen. Wenn Ibrahim sich so in die Enge getrieben fühlt, dass er ein so großes Risiko eingeht und sich selbst verrät, dann ist mein Dokument recht nutzlos. Wo ist der Kämmerer verwahrt?

Statthalter: Leider ist es ihm gelungen, zu entkommen. Ich glaube, dass ein Großteil der Wachen in seinen Diensten steht Warum hat mir Allah während all’ dieser Jahre bezüglich seiner Person die Augen verschlossen? Aber von welchem Dokument redest du überhaupt?

Adrian zeigt dem Statthalter die Dokumente, die er in Ibrahims Gemächern gefunden hat.

Adrian: Sollten wir noch einen Beweis für Ibrahims Schuld brauchen, so glaube ich, haben wir ihn endgültig.

Statthalter: Aber warum? Warum haben diese Männer meine Tochter entführt?

Adrian: Özdemir, Hayyats Brief erwähnt einen heiligen und verbotenen Ort, ein Heiligtum, einen eindrucksvollen Ort.

Özdemir: Einen heiligen und eindrucksvollen Ort? In Jerusalem wimmelt es nur so davon. Ich glaube, wir müssen Isa Al Gawri wecken. Stell’ ihm die Frage, Adrian. Er hat dir schon manch’ einen Rat gegeben. Vielleicht hat er eine Idee.

Adrian eilt also in die Bibliothek, um erneut die Hilfe des Sufi in Anspruch zu nehmen. Vielleicht weiß er ja, welches der heilige Ort ist könnte, von dem Hayyat in seiner Nachricht spricht. In der Tat sitzt der Schriftgelehrte schon wieder bei der Arbeit über seinen Büchern: Der Tag ist noch nicht angebrochen, und schon bist Du wieder in dein Studium vertieft?

Sufi: Und wenn es nicht so wäre, hätte mich dieses um unser Gespräch gebracht. Wenn ich mit dir rede, Dhimmi, habe ich den Eindruck, ein bedeutender Mann zu sein. Nun, wie steht’s mit deinen Recherchen?

Adrian: Sie führen mich an einen heiligen und verbotenen Ort, dessen Namen ich nicht kenne.

Sufi: Ein heiliger und verbotener Ort? Das bedeutet genau Haram As-Sharif , die edle Stadtmauer, das Herz Jerusalems, an dem sich der Felsendom und die Al-Aksa-Moschee befinden. Wie so oft liegt die Antwort, die du suchst, schon in deiner Frage.

Adrian: Und du sagst, ich kann nicht dorthin gehen?

Sufi: Nur in deinen Gedanken, Dhimmy. Denn sonst brichst du das Gesetz, das selbst der Statthalter nicht abschaffen kann. Aber ich habe dir gesagt, ich kann dir die Pforten auf meine Art und Weise öffnen. Willst du, dass wir das Experiment wagen?

Adrian: Mittels meiner Phantasie zu Haram As-Sharif gelangen. Ist das nicht etwas ... ?

Sufi: Kindisch? Aber nein doch! Ihr Anderen, ihr vom Abendland habt die Macht der Phantasie vergessen. Gut kontrolliert und genutzt kann sie ein überaus effizientes Mittel der Erkenntnis sein, das andere Wirklichkeiten als die alltäglichen eröffnet. Schließ’ deine Augen!

 

In seiner Phantasie gelangt Adrian an die Stadtmauer von Jerusalem, wo ihm vom Sufi die Aufgabe auferlegt wird, den Felsendom und die Al-Aksa-Moschee mit Hilfe seiner Gedanken neu entstehen zu lassen.

Sufi: Um einen heiligen Felsen zu schützen, einen Felsen, den Allahs getreue Genossen für den Mittelpunkt der Welt hielten, und von dem aus der Prophet zum Himmel fuhr, wurde ein Dom errichtet. Werde dessen neuer Architekt, und Du bist es würdig, ihn zu betreten.

In der nachfolgenden Vision gelingt es Adrian mit der Hilfe des Sufi (so glaubt Adrian zumindest), beide Bauwerke Stück für Stück zu errichten.  In seinem Gepäck befinden sich nun die einzelnen Bauelemente für das erste Gebäude, den Felsendom.

 

Beginne damit, dass du den Fels mit einem Säulenkranz umschließt (4. Element von links im Inventar in die Mitte des Raumes setzen)

.... Errichte einen zweiten Säulenkranz außerhalb des ersten und schaffe dadurch einen Rundgang (4. Element von links einfügen). .... Errichte nun die Mauern des Gebäudes (1. Element von links einsetzen). .... Kröne den ersten Säulenkranz mit einer Steintrommel mit 16 Fensteröffnungen           (1. Element von links wählen) ...Setze schließlich eine doppelte Kuppel auf das Gebäude, damit du das Werk, das du nachkonstruiert hast, in all’ seiner Pracht bewundern kannst (Letztes vorhandenes Element einfügen).

 

Wenn du willst, Architekt, dann kannst du eine zweite Aufgabe in Angriff nehmen. Das Gebäude dreht sich, und die Kamera schwenkt zu dem freien Platz, auf dem die Al-Aksa-Moschee errichtet werden soll.

Gib’ deiner Hand freien Lauf, Architekt. Nimm’ die Bausteine und rekonstruiere die Al-Aksa-Moschee, die größte Moschee Jerusalems.

 

Zeichne zuerst das Langschiff und umsäume es dann mit zwei Säulenreihen (letztes Bauelement von rechts) ... Verlängere dieses Schiff um zwei Balkenfelder (2 x Element ganz rechts im Inventar) ... Sieben Bogengänge bilden nun den Portal-Vorraum (1. Element von links). ... Setze ein Querschiff ans Ende des Langschiffs und überhänge das Kreuz mit einer Kuppel (2x 1. Element von links). ....  Gut! Nun kannst du die Orte, die dein Geist soeben geschaffen hat, gemächlich begehen.

 

Anschließend macht Adrian in beiden von ihm geschaffenen Gebäuden einen Rundgang.

Auch hier hilft ihm die Stimme (des Sufi?) erläuternd weiter: Unter dieser Kuppel, an der ein Fries den Namen Jesu, Prophet gemäß dem Islam, lobpreist, trägt ein heiliger Felsen den Fußabdruck Mohammeds sowie den Handabdruck des Erzengels Gabriel. Dies war der erste Altar des einzigen Gottes, auf dem der Bund zwischen dem Patriarchen Abraham und Jahwe auf immer besiegelt wurde. ... Die Fatimiden Ägyptens, die Kreuzritter und dann die Ajjubiden -Dynastie... Sie alle haben daran gewirkt, diesem Ort seine Herrlichkeit zu geben. Moschee für die Moslems, Palast für die Franken. Diese geweihte Stätte wird vom Islam Al-Aksa genannt, die „Weitentfernte“, denn sie war, so sagt man, der nördlichste Punkt, den Mohammed, der Prophet Allahs erreicht hat. Neben dem Schiff feiert die Omar-Moschee, gleich einem Saum  von  Zwillingsperlen, die in einem größeren Juwel gefasst sind, die Erinnerung an den zweiten Nachfolger des Propheten, wobei die Weiße Moschee dem Gebet der Frauen vorbehalten ist.

In der Mauer des Querschiffs mit der Achse des Schiffs zeigt ein Mihrab, eine Nische, die Richtung nach Mekka an. In ihrer Nähe halten sich die Imams während des Gemeinschaftsgebetes auf.

 

Sobald Adrian seinen Rundgang beendet hat, wendet er sich einer Treppe zu, entfernt die Augenbinde, und gelangt in die Realität, in die Bibliothek zum Schriftkundigen Sufi zurück. Dieser erkundigt sich sofort nach seinen Fortschritten: Nun, Dhimmi, es scheint so, als ob die göttliche Vorsehung dafür gesorgt hat, dass du genügend mit der Tugend der Phantasie ausgestattet bist. Konntest du etwas in Erfahrung bringen, dass dich weiter bringt?

 

 

Adrian: Ich sah und tat seltsame Dinge. Doch es war keine Menschenseele an den Orten, die du mich durchschreiten ließest. Der Sufi bestreitet, Adrian durch die Gedankenwelt geführt und ihm geholfen zu haben. Wer aber war die Stimme, die Adrian in der Phantasiewelt weiterhalf? Sollte sich Ishtar unseres Helden endlich erbarmt haben?

Sufi: Die ich dich durchschreiten ließ? Aber ich habe kein einziges Wort gesprochen, seit du die Augen geschlossen hast. Doch lassen wir dies ruhen. Dies ist ein Geheimnis, dass dir eigen ist. Kann ich noch etwas für dich tun?

Adrian: Ich fürchte im Moment nichts.

 

Als Adrian in den Palast zurückkehrt, wird er bereits von Özdemir erwartet, der ihm mitteilt, dass man eine an Adrian gerichtete Botschaft von Hayyat gefunden hat: Adrian, ich habe dich gesucht. Du hattest Recht. Hayyat hat sich offenbart. Beim Morgengrauen fanden die Wachen auf den Treppenstufen eine an dich gerichtete Nachricht.

 

An den Rumi, den die Vorsehung auf meinen Weg führte, so wie sie Simon Petrus Christus und Bilâl Mohammed entgegen sandte. Da nur du allein es geschafft hast, den Weg zu finden, den ich gezeichnet habe, musst du mir nun den Widder, den Fisch und den Löwen entgegen führen. Begebe dich mit ihnen an den Eingang der Steinbrüche Salomos. Ich werde dort auf euch warten, und du wirst der zweite meiner Jünger werden.

 

 

Özdemir erläutert unserem Helden die Bildersprache, derer sich Hayyat bedient, und Adrian begreift, dass Hayyat ihn auffordert, mit den Vertretern der drei Religionen zu Salomos Steinbrüchen zu kommen, um  sich einer letzten Herausforderung zu stellen und vielleicht auch zur Befreiung von Hykmah zu beizutragen. Adrian beschließt, Hayyats Wunsch zu folgen, um Hykmahs Leben nicht in Gefahr zu bringen: Der Widder, der Fisch und der Löwe stehen für Personen.

Özdemir: Der Widder stellt oft das jüdische Volk dar. Bei den ersten Christen war der Fisch das Zeichen des Erkennens, und der Löwe ist ein Tier, das im Land des Islam in großer Gunst steht.

Adrian: Weißt du, wo die Steinbrüche Salomos sind?

Özdemir: Etwas außerhalb der Stadt, in der Nähe der Stadtmauern.

Statthalter: Ich werde der Wache sofort den Befehl geben, sie abzusuchen.

Adrian: Nein, Statthalter! Hayyat benutzt Hykmah, um uns eine Botschaft der Vereinigung mitzuteilen. Er wird ihr nichts antun. Aber er weiß noch nicht, dass Ibrahim ihn verraten hat. Wenn er den Kopf verliert, dann weiß niemand, wie er reagieren wird.  Besser wir tun, was er verlangt.

Adrian: Hayyat spricht von einem Jünger. Glaubt Ihr, dass er von Ibrahim spricht?

Özdemir: Schwer zu sagen. Offensichtlich ist der Kämmerer Ursache vieler Dinge! Doch seine Rolle verstehe ich immer noch nicht genau.

Adrian: Groll, Frustration, Eifersucht, wer weiß! Sogar die standhaftesten Seelen kommen manchmal ins Wanken.

Adrian bittet den Statthalter, die Vertreter der drei Religionen Jerusalems kommen zu lassen: Statthalter, könnt ihr bitte den Iman Abd El Wahid, den Archimandrit Palamedes und den Rabbi Kalonymos rufen? Wir werden alle vier zu den Steinbrüchen Salomos gehen, und ich verspreche Euch, dass Euch der Widder, der Fisch und der Löwe gemeinsam Hykmah wieder bringen werden.

 

Wie es Hayyat verlangt hat begeben sich die drei Gottesmänner in Begleitung von Adrian zu Salomos Steinbrüchen. Dort  angelangt, beginnen die drei Glaubensvertreter um Nichtigkeiten zu streiten, bis sie von Adrian zur Räson gerufen werden, der sie nochmals eindringlich darauf hinweist, dass es Hykmah zu befreien gilt, und sie nur mit vereinten Kräften ans Ziel gelangen können.

Rabbi Kalonymos: Hierher zu kommen, sagt mir nichts Gutes. Dieser Ort ist düster wie der Scheol.

Iman Abd El Wahid: Rabbi Kalonymos hat Recht. Diese Gewölbe sind ein wahres Labyrinth. Wir können hier wochenlang herumirren, wenn wir von unserem Weg abkommen.

Adrian: Das will Hayyat vielleicht, uns zwingen, lange Zeit zusammen zu sein. Er will wohl wissen, wer unter uns es schafft, die anderen zu bekehren.

Rabbi Kalonymos: Oh, das wäre einfach. Ich kann Euch in weniger als drei Tagen zum wahren Glauben Abrahams bekehren.

Iman Abd El Wahid: Und ich bringe euch in weniger als zwei Tagen soweit, dass ihr Mohammed als Siegel der Propheten anerkennt.

Pope Palamedes: In weniger als einem Tag werde ich Euch von der Wahrheit des Wortes Christi überzeugen.

Adrian: Wir sind hier, um ein junges Mädchen in den Schoß ihres Vaters zurückzubringen und nicht um uns zu streiten. Los’, es ist Zeit, dass wir uns auf den Weg machen.

Gefolgt von den Glaubensvertretern begibt sich Adrian bis zum Eingang des linken Tunnels, wo er rechts auf den Stufen ein Schriftstück von Hayyat vorfindet. Nachdem er den Eimer links vor dem Eingang eingesteckt hat, liest er das Pergament, welches aus einer Einleitung und drei Zitaten aus der jüdischen, der christlichen und der islamischen Lehre besteht. Anschließend befragt er jede der drei Personen, indem er den auf sie zutreffenden Satz anwendet.

 

Hayyats Nachricht:

 

Auf das der Widder, der Fisch und der Löwe gemeinsam den richtigen Weg weisen und den Vorsprung der Zeugen sichern.

Widdersymbol:

Nachdem sie das Land Ramses verlassen hatten, lagerten die Söhne Israels in Sukkot.

Löwesymbol:

Derjenige, der nicht an Gott und die Propheten glaubt, soll wissen, dass auf die Ungläubigen die Höllenglut wartet.

Fisch-Symbol:

Auf! Reckt Euch. Die Wahrheit soll Euer Koppel sein – die Gerechtigkeit Euer Harnisch!

 

 

Adrian wendet sich zunächst mit dem Satz des Widders an den Rabbi ("Nachdem sie das Land Ramses verlassen hatten, lagerten die Söhne Israels in Sukkot"): Ich glaube, dass dieser Satz speziell an Euch gerichtet ist, Kalonymos.

Der Rabbi erkennt die Schriftstelle und meint, den Satz richtig deuten zu können. Seiner Meinung nach gibt sie die Richtung an, die sie hier an der Kreuzung einschlagen müssen, und zwar sollten sie sich nach Osten bzw. nach rechts wenden:  Mir scheint er einfach zu verstehen zu sein. Wir sind an einer Wegkreuzung. Hayyat will, dass wir den rechten Weg einschlagen. Wie meine Urahnen einst nach Osten gingen, als sie aus Ägypten zogen... (nach rechts)

Dann richtet Adrian den Satz des Löwen an Abd del Wahid ("Derjenige, der nicht an Gott und die Propheten glaubt, soll wissen, dass auf die Ungläubigen die Höllenglut wartet"): ist dieser Satz aus dem Koran, Abd El Wahid?

Abd El Wahid: Ja, zweifelsohne ist es ein Satz, der zu unserem heiligen Buch gehört.

Adrian: Ein Satz, der uns vor dem Feuer warnen könnte.

Es gilt also, sich auf dem folgenden Weg durch das Labyrinth besonders vor dem Feuer (Feuerwand) in Acht zu nehmen.

Der letzte Satz des Pergaments ist an den Popen Palamedes gerichtet. Der Satz des Fischs ("Auf! Reckt Euch. Die Wahrheit soll Euer Koppel sein – die Gerechtigkeit Euer Harnisch!“) weist offensichtlich auf den Schutz hin, dem der Gläubige untersteht.

Adrian: Vor diesen Satz sind Fische gezeichnet. Adrian reicht den Spruch des Löwen dem Popen Palamedes.

Palamedes: Oh, das Zitat kenne ich. Es ist vom Heiligen Paulus, der in seinem Brief an die Epheser die geistige Verbitterung des Gläubigen beschreibt.

Adrian: Hayyat scheint besonders den Schutz des Glaubens zu betonen.

Der Pope warnt Adrian erneut vor Hayyat: Nimm dich in Acht, Adrian. Vergiss’ nicht, dass man von einem Mann, der nicht einmal vor einer Entführung zurückschreckt, alles erwarten kann.

Nachdem die Route abgesprochen ist, machen sich Adrian und seine Begleiter auf den Weg. Gemäß dem ersten Hinweis, gehen sie nicht in den linken Tunnel hinein, sondern beschreiten den rechten Weg. Nach ein paar Schritten auf diesem Wege sehen sie vor sich eine Feuerswand, die ihnen den weiteren Weg versperrt.

 

Die drei Gottesmänner sind nur allzu schnell bereit, aufzugeben. Doch Adrian gelingt es erneut, sie an das gemeinsame Ziel zu erinnern und ihnen Mut zu machen. Da es gilt, einen Weg durch das Feuer zu finden, sieht sich unser Held an Ort und Stelle um. Links an der Wand lehnen einige Holzbretter. Vor Ihnen steht ein Pritschenwagen. Adrian überlegt, ob man das Gefährt mit Hilfe der Bretter so präparieren kann, dass man  bei entsprechender Geschwindigkeit die Feuerswand vor ihnen unbeschadet auf dem Wagen durchbrechen kann.

Rabbi: Ist es denn vernünftig, weiter zu machen, Adrian?

Iman: Ja, eh, vielleicht sollten wir umdrehen und die Janitscharen kommen lassen.

Pope: Das ist zu viel für uns. Wir sind Gottesmänner und keine Abenteurer.

Adrian: Nur Mut, Hykmah ist ganz in der Nähe! An sie müsst ihr denken. Und wir haben übrigens alles, um dieses Hindernis hinter uns zu bringen.

 

Er legt die Bretter, die er soeben eingesteckt hat, worauf die Vorderseite des Wagens einen Bretterverschlag erhält, der als Schutz gegen das Feuer dienen kann. Die Männer springen auf und können tatsächlich, die Gefahrenzone unbeschadet hinter sich lassen.

Nach der Überwindung dieses Hindernisses ist erneut Vorsicht geboten. Ein falscher Schritt auf dem Weg könnte der letzte sein.

An der nächsten Kreuzung wenden sich die mutigen Gefährten nach links, dann erneut nach links, bis sie zu einem weiterem offensichtlich unüberwindbaren Hindernis gelangen: Vor ihnen auf dem Weg befindet sich ein Abgrund, den es gilt zu überbrücken.

 

Ein Blick auf den Boden zu ihren Füßen enthüllt ein Kachelmuster, das 6 Kacheln aufweist, auf denen die ihnen vertrauten Symbole Widder, Fisch und Löwe jeweils von oben nach unten in unterschiedlicher Reihenfolge angeordnet sind. Adrian kommt die Schriftrolle in den Sinn, die er am Eingang gefunden hat. Er sieht sie sich nochmals an.  Hayyat listet hier die Symbole in der Reihenfolge: Widder - Löwe - Fisch auf. Sollte dies eine Falle sein? Adrian überlegt und wählt schließlich die Kachel,  auf der Symbole in der chronologischen Reihenfolge der Entstehung der 3 monotheistischen Religionen angeordnet sind, also von oben nach unten: Widder – Fisch –Löwe.  Als er diese berührt, ist ein donnerndes Geräusch zu hören. Felsbrocken stürzen von der Decke und füllen den Abgrund vor ihnen, so dass sie diesen gefahrlos überqueren können. (Wählt man eine andere Kombination, stürzt das Gewölbe ein und begräbt die vier Helden unter sich!)

 

Der Weg führt sie weiter bis zu einer Gittertür, die mit einem Schloss versehen ist. Wo jedoch ist der Schlüssel dazu? Auf dem Boden liegen einige Stäbe, die Adrian einsteckt. Als er sie sich im Inventar ansieht, stellt er fest, dass auch sie mit den drei Symbolen – wieder in unterschiedlicher Reihenfolge – versehen sind.

 

Auf dem Boden zu seinen Füßen bemerkt er erneut ein Kachelmuster mit den Symbolen des Widders, des Fischs und des Löwen. Im Gegensatz zum ersten Muster sind hier jedoch zusätzliche runde Löcher eingelassen, in die man offensichtlich die Stäbe stecken soll. Ein erneuter Blick in sein Gepäck zeigt Adrian, dass sich darin immer noch der Wassereimer befindet, den er am Eingang mitgenommen hat. Er versucht sein Glück und taucht den Stab, der von oben nach unten die Tiersymbole Widder-Fisch-Löwe aufweist in den Wassereimer. Zu seiner Überraschung kann er feststellen, dass sich der Stab verändert hat (Wasser-Widder-Fisch-Löwe). Diesen Stab steckt er dann in das Loch der entsprechenden Kachel (Widder – Fisch – Löwe).

 

Er kann sofort feststellen, dass seine Eingebung richtig war. Die Kachel gibt eine Vertiefung frei, in der ein Schlüssel liegt. Adrian ergreift den Gegenstand und steckt ihn in das Schloss der Gittertür. Das Tor öffnet sich, und die Gefährten gelangen in eine Halle, in der sie bereits von Hayyat erwartet werden: Aber wer kommt denn da auf mich zu? Der Jude, der Christ und der Moslem gehen gemeinsamen Weges und helfen einander trotz Prüfung und Gefahr? Und warum dieser Bund, den alle für so unmöglich hielten? Um das kostbarste Gut zu retten, das höchste Ding, den obersten Wert: ein menschliches Leben. Vielleicht ein einfaches Mädchenleben, aber trotzdem ein einzigartiges Leben, ein Atem, den nichts nie und nimmer ersetzen kann. Oh, ewiger Gott Abrahams, Jesu und Mohammeds, schau’ dir das Werk deines Dieners Hayyat, dem Irrsinnigen an! Er allein hat es geschafft, deine verstreuten Söhne zusammenzuführen.

Als erstes vergewissert sich Adrian, dass Hykmah noch am Leben und unversehrt ist: Wo ist sie, wo ist Hykmah?

Hayyat: Sie ist hier im Halbdunkel, und sie wartet auf mein Zeichen. Sie ist heil und gesund, und sie trägt den Dolch Abrahams bei sich. Doch wird sie erst hervortreten, wenn jene, die du geführt hast, endgültig dem neuen Glauben, dessen Zeugen und Boten sie nun sind, den Treueeid schwören, die Vereinigung aller Söhne Gottes unter dem Banner der Menschenliebe.

Adrian: Du predigst etwas, was du selbst nicht anwendest, Hayyat! Du hast ein Menschenkind entführt! Du richtest Hürden vor jenen auf, die es der Liebe seines Vaters zurückbringen wollen.

Hayyat: Aber all das war nutzvoll! Ohne Gefahr, wie kann man da seinen Glauben erproben? Wie könnte man euch ohne drohende Gefahr vereinen? Das ist ebenfalls der Weg der Liebe, Rumi! In der Not den anderen entdecken, den Fremden, mit dem man nicht sprach. Derjenige, den man für einen Feind hielt, ist in erster Linie ein menschlicher Bruder, mit dessen Hilfe alle Hindernisse überwunden werden können.

Eines wird in diesem Augenblick deutlich. Nämlich das Hayyat ein großes Ziel verfolgte, wenn vielleicht auch mit den falschen Mitteln und auf dem falschen Weg. Eines hat er leider dabei vergessen, dass es immer wieder Menschen gibt, die die Ideale von religiösen Eiferern für ihre ureigensten menschlichen Belange ausnutzen wie in diesem Falle Ibrahim.

Der Kämmerer zeigt jetzt sein wahres Gesicht. Er schleicht sich von hinten an Hykmah heran und hält ihr ein Messer an die Kehle: Der Weg der Liebe sagst du Hayyat? Solltest du nicht wissen, dass der einzige Lohn, den die Liebe erhält, Undank und Spott sind! Bist du wirklich senil, alter Mann?

Hayyat ist entsetzt: Ibrahim, mein Jünger, was machst du da?

Ibrahim: Ich versehe dein Werk mit dem krönenden Abschluss, Hayyat. Doch er wird nicht der sein, den wir geplant haben, als ich zu dir ins Gefängnis kam! Eure Leichen sind es, die man in diesen Grotten finden wird, und Suleiman wird dies dem Statthalter nie verzeihen. Selbst wenn du mich gefunden hast, Fremder, kannst du nichts mehr tun, um Hykmah zu retten!

Adrian richtet einen letzten Appell an Hayyat, sich gegen Ibrahim zu wenden und Hykmahs Leben zu retten: Wir sind gekommen, um ein Leben zu retten, Hayyat! Jetzt musst du uns helfen. (Auf keinen Fall, darf Adrian versuchen, mit Ibrahim zu sprechen. All’ seine Versuche sind angesichts der Skrupellosigkeit dieses Mann vergeblich und enden mit dem Tode von Hykmah!)

Hayyat sieht ein, dass er einem Betrüger aufgesessen ist und hilft den Männern, Hykmah aus der Hand des Verbrechers zu befreien, wobei er selbst den Tod findet. Adrian gelingt es, Ibrahim zu überwältigen, wobei der angebliche Dolch Abrahams in tausend Stücke zerspringt und sich ins Nichts auflöst.

Nach der erfolgreichen Befreiung von Hykmah, der Tochter des Statthalters sieht man alle Personen wieder im Palast des Statthalters vereint. Der ist begierig zu wissen, was mit dem Dolch Abrahams geschehen ist. Alle sind sich einig, dass es sich bei dem Gegenstand nicht um das heilige Objekt handelte, da er zu Staub zerfallen ist. Nachdem nun auch Özdemir erkennen muss, dass sich der eigentliche Zweck seiner Entsendung nach Jerusalem in Luft aufgelöst hat, beschließt er, so schnell wie möglich nach Istanbul zurückzukehren, um dem Sultan Bericht zu erstatten. Sein Wunsch, Adrian mitzunehmen, kann jedoch nicht erfüllt werden, da unser Held plötzlich verschwunden ist.

Statthalter: Ihr versichert mir also, dass der Dolch Abrahams sich vor euren Augen in Staub aufgelöst hat?

Rabbi Kalonymos: Ja, eure Hoheit. Nun, ich meinte nein. Da er sich aufgelöst hat, konnte es sich dabei nicht um den Dolch des Patriarchen handeln.

Abd El Wahid: Selbstverständlich! Eine heilige Reliquie könnte sich nicht einfach auflösen.

Statthalter: Und so endet nun der dumme Streit, der die Eintracht unserer Gemeinschaften störte. Juden, Christen und Moslems werden wieder friedlich zusammen leben und arbeiten können.

Özdemir: Gut, da es sich inzwischen gezeigt hat, dass die Reliquie gar keine war, erübrigt sich wohl meine Anwesenheit. Ich werde nach Istanbul zurückkehren und unseren Sultan so schnell wie möglich beruhigen. Adrian, willst du mich begleiten? Ich bin mir sicher, dass du... aber, wo ist denn mein junger Rumi?

 

Hykmah weiß zu berichten, dass Adrian vor seinem Verschwinden von ihr wissen wollte, wie die griechische Übersetzung ihres Namens lautet. Özdemir kann diese Frage beantworten. Hykmah heißt auf Griechisch Sophia.

Hykmah: Er war vor einem Augenblick noch bei mir, Tschavusch. Er hat mir eine seltsame Frage gestellt. Er hat gelächelt, ist dann etwas zurückgetreten, und ich habe ihn nicht mehr gesehen.

Özdemir: Eine seltsame Frage?

Hykmah: Er fragte mich, wie mein Vorname auf Griechisch lautet.

Özdemir: Dein Vorname auf Griechisch, der lautet: S o p h i a!

 

Diese Äußerung von Özdemir scheint in der jungen Frau eine Erinnerung wachgerufen haben. In der letzten Szene des Spiels sieht man Hykmah/Sophia auf dem Weg zur Grabeskirche und zur Moschee offensichtlich auf der Suche nach Adrian. Unser Held jedoch ist verschwunden. Sollte Ishtar in erneut in einen Zeitstrudel gestürzt haben, der ihn auf dem Weg zur Wiedervereinigung mit seiner Verlobten Sophia in ein neues Abenteuer stürzt.

 

 

© Copyright Renate Pieper

 

 

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