Einleitung

1) Teil 2: Das Komplott

2) Teil 1: Ankunft in Jerusalem

3) Teil 3: Ende gut - Alles gut!

 

 

Adrian und Özdemir begeben sich also zu Hayyats Wohnung nicht weit entfernt von der Grabeskirche (einmal geradeaus und dann nach rechts wenden). Vor dem Haus treffen sie auf Hayyats Wirtin, die Witwe Pichon.

Adrian: Seid Ihr die Witwe Pichon?

Witwe Pichon: Wer denn sons. Det habe ich doch schon gesacht, jawohl den Männern des Stadtverwalters – ach Gott segne seine Seele – det sich das Zimmer nich anrühren werde. Hab’ wirklich nix angerührt, nich vorher, nich nachher. Na und da sie’s mir gesacht haben, hab’ ich nix gemacht, nix, Ich hab’ nix gemacht, ich hab’ nix gemacht, nix gemacht.

Adrian: Habt keine Angst. Wir sind nur gekommen, um Euch ein paar Fragen zu stellen. Was für einen Eindruck machte Euch dieser Mann?

Witwe Pichon: 'Nen guten, ich mein’ 'nen guten. Ja, wirklich 'nen guten. War sehr nett und sehr gebildet, hat mir von vielen schönen Dingen erzählt. Hab’ ihm gerne zugehört. Aber habe ihm immer gesagt, dass er zu viel quatscht. Eines Tages kam er nicht nach Hause, und ich wusste, dass er verhaftet worden war. War ganz schön traurig. Nicht, weil er vielleicht nicht mehr alle Tassen im Schrank hat oder so und alle Religionen durcheinander brachte, sondern weil er der sanfteste unter den Männern ist. Ja, ja, mein Gott. Gott segne ihn.

Adrian: Empfing Ihr Mieter manchmal Gäste bei sich oder erwähnte er Euch gegenüber Boten?

Witwe Pichon: Er empfing nie jemanden, nee, nee, nee, nee, nä! Und Boten? Wat denn für Boten?

Adrian: Boten! Auf Griechisch heißen sie ‚angelos’, nicht wahr? Hayyats Boten sind Engel.

 

Nach dem relativ unergiebigen Gespräch mit Hayyats Wirtin betreten Adrian und Özdemir das Haus, in dem sich Hayyats Unterkunft befindet. Im ersten Raum neben der Tür entdeckt Adrian eine Truhe, die mit drei Schlössern versehen und verschlossen ist. Da diese offensichtlich etwas Wichtiges verbirgt, gilt es die drei erforderlichen Schlüssel zu finden. Die Schlösser zeigen einen Davidstern, ein Kreuz und eine Mondsichel, d.h. die Symbole der drei Religionen. Adrian bemerkt ein Bild neben einem verschlossenen Fenster, ansonsten kann er in diesem Raum nichts Besonderes entdecken. Also begibt er sich in das angrenzende (Schlaf-)Zimmer. Er geht am Bett vorbei  und wendet sich nach rechts, wo sich in einer Nische eine Tür befindet. Er sieht sich das Bild links an der Wand in der Nische an („Gabriel, der die Hand Abrahams innehielt, als jener seinen Sohn Isaak opfern wollte, den Urvater der Hebräer, ohne den weder das Christentum noch der Islam entstanden wären.“), kann jedoch nichts besonderes entdecken. Dann wirft er einen Blick auf die Tür und bemerkt, dass sie zwei kleine Ritzen aufweist, durch die man in den angrenzenden Raum blicken kann. Er wirft einen Blick durch einen Spalt und stellt fest:  „Es liegt Schwefel auf dem Boden“. Offensichtlich ein gefährlicher Ort, den Adrian zunächst unberührt lässt. (Auf keinen Fall die Tür öffnen, da sich eine brennende Öllampe in dem Raum befindet!). Adrian kehrt zurück in das Schlafzimmer und sieht sich weiter um. Vor dem Bett erregt eine Kiste seine Aufmerksamkeit. Unser Held öffnet sie, nimmt ein Stück Tuch beiseite und entdeckt darunter ein Glas mit lebenden Skorpionen.  Da er nicht weiß, wie er diesen gefährlichen Tieren zu Leibe rücken soll, lässt er auch diese Kiste zunächst in Ruhe. Er wirft einen Blick auf das Bild an der Wand links neben dem Bett: Der Engel Gabriel bereitet den sterblichen Leib des Propheten der letzten offenbarten Religion auf seiner Reise durch die Nacht zu Allahs Himmel vor.

Da er hier nichts weiter ausrichten kann, kehrt Adrian zurück in den ersten Raum, wo er Özdemir am Tisch sitzend und ein Buch lesend vorfindet. Er sieht sich das mit Brettern versehene Fenster in diesem Zimmer an und wirft einen genaueren Blick auf das Bild links daneben, dass im schon beim ersten Betreten des Raumes aufgefallen ist (Marias Verkündung, eine der ergreifendsten Szenen der zweiten Religion des Buches). Dieses Bild lässt sich abhängen. Dahinter befindet sich eine seltsame Öffnung, in der Adrian hinter einer Papiermembran einen Schlüssel mit Kreuz in einer Flüssigkeit entdeckt. Als er danach greifen will, bemerkt er einen Käfer, der in die Flüssigkeit kriecht und elendig verendet: Die erste Nachricht war mit einer Falle verbunden. Hier ist eine andere. Hier ist also ebenso Vorsicht geboten.

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, gefahrlos in das dritte Zimmer von Hayyats Behausung zu gelangen, begibt sich Adrian nach draußen, wo er erneut auf die Witwe Pichon trifft. Er befragt sie nach dem Inhalt der verschlossenen Truhe: Wisst Ihr, was in dieser Kiste ist?

Witwe Pichon: Tja, ich schätz aber ... glaubt Ihr, dass ich in den Sachen anderer Leute rumwühl’? Kein kleines bisschen. Verdammt noch mal. Ich lass’ jeden mit seinem Kram allein.

Da er hier nicht weiter kommt, sieht sich Adrian weiter um. Er wendet sich nach rechts, geht unter einem Torbogen hindurch und entdeckt gegenüber einer Schmiede hoch oben an der Wand ein Fenster mit einem Bretterverschlag. Hier müsste es sich um eines der Fenster zu Hayyats Wohnung handeln. Mit dem gespaltenen Ast gelingt es Adrian, das Fenster zu öffnen. Er erkennt, dass es sich um das Fenster zu dem Raum handelt, in dem er den Schwefelgeruch bemerkt hatte. Durch dass Öffnen des Fensters erlöscht die Öllampe in dem Zimmer.

 

Adrian kehrt zurück in Hayyats Wohnung und begibt sich in das Schlafzimmer, wo er nun die Tür zu dem dritten Raum gefahrlos öffnen kann. Er nimmt die Öllampe auf dem Boden an sich, findet einen Blasebalg auf einer Kiste mit Gefäßen und auf einer Ablage an der Wand oberhalb dieser Kiste einen Schlüssel mit einem Davidsstern. Daneben liegt noch ein Meißel, den er ebenfalls einsteckt.

 

Jetzt bleibt immer noch die seltsame Öffnung in der Wand hinter dem Bild. Es muss Adrian irgendwie gelingen, die todbringende Flüssigkeit zu beseitigen, damit er an den nächsten Schlüssel gelangen kann

Adrian wirft einen Blick in sein Gepäck und stutzt beim Anblick des Blasebalgs. Vielleicht kann man das Gerät ja so umfunktionieren, dass man es als Absauggerät benutzen kann. Adrian beschließt, den Schmied, den er soeben vor seiner Schmiede hat sitzen sehen, um Rat zu fragen. Er verlässt das Haus, begibt sich durch den Torbogen und wendet sich an den Schmied: Kannst Du mir ein ganz kleines Mundstück für diesen Blasebalg anfertigen?

Schmied Ibn An-Nur: Mein Jüngster könnte das. Warte! Nach kurzer Zeit kehrt der Schmied zurück und überreicht Adrian den gewünschten Gegenstand, einen Blasebalg mit Mundstück ("veränderter Blasebalg").

Adrian: Wie viel schulde ich dir?

Schmied: Nichts, Bruder, es war keine schwierige Arbeit, und ich helfe bedürftigen Menschen gerne.

Adrian: Das ist eine ritterliche und seltene Haltung. Wie heißt du?

Schmied: Ritterlich? Das Wort gefällt mir. Ich heiße Ibn An-Nur, zu deinen Diensten.

Adrian: Ich werde es nie vergessen.

 

Adrian kehrt zurück ins Haus.

 

Er begibt sich zum Fenster im ersten Raum und wendet sich der Nische in der Wand links davon zu. Mit dem präparierten Blasebalg saugt er die giftige Flüssigkeit ab und entfernt dann die Schutzfolie mit dem Meißel aus seinem Gepäck. Sobald dies geschehen ist,  kann er einen zweiten Schlüssel mit dem Symbol des Kreuzes problemlos in seinen Besitz bringen.

 

Als letztes wendet er sich nun erneut der Truhe vor dem Bett im Schlafzimmer zu. Er nimmt das Glas mit den Skorpionen und stellt es auf den Boden. Als er genauer hinsieht, kann er einen dritten Schlüssel erkennen, der in der Flüssigkeit schwimmt. Es muss ihm irgendwie gelingen, die Skorpione im Glas unschädlich zu machen. Plötzlich kommt ihm eine blendende Idee.

 

Warum eigentlich benutzt er dazu nicht die giftige Flüssigkeit, die er gerade aus der Öffnung in der Wand abgesaugt hat. Adrian holt den Blasebalg mit dem Gift aus seinem Gepäck und wendet ihn auf das Glas an. Innerhalb kürzester Zeit hat er die Skorpione getötet. Um nicht in seine eigene Falle zu laufen, betätigt er erneut den Blasebalg und saugt das Gift aus dem Gefäß wieder ab. Anschließend zerschlägt er das Glas mit dem Meißel und kann einen dritten Schlüssel (mit Mondsichel) gefahrlos an sich nehmen.

 

 

Mit den drei Schlüsseln kehrt er zurück in den ersten Raum, wo Özdemir immer noch mit dem Lesen eines Buches beschäftigt ist, und wendet sich der Truhe neben der Eingangstür zu.

 

Er nimmt die drei Schlüssel zur Hand und steckt sie der Reihe nach (links: Schlüssel mit Davidsstern, Mitte: Schlüssel mit Kreuz, rechts: Schlüssel mit Mondsichel) in die dafür vorgesehenen Schlösser. Anschließend klickt er einen der Schlüssel an, und die Truhe öffnet sich. Darin befinden sich drei Gegenstände: ein rubinbesetztes Kreuz, ein Talli und ein Gebetsteppich.

Adrian nimmt den Inhalt der Truhe an sich und zeigt die Gegenstände dann Özdemir, der sie schnell identifiziert: Das Kreuz, das Werkzeug der Passion Christi, eine Sadschada, der Gebetsteppich, den die Moslems verwenden. Das ist scheint mir ein Tallit, ein Gebetsmantel der jüdischen Liturgie.

 

Adrian kann sich nicht erklären wie ein Mann, der an weltlichen Dingen völlig uninteressiert zu sein schien, derartige Schätze in seiner Wohnung anhäufen konnte. Des Weiteren verblüfft ihn die Tatsache, dass ein Mann, der ihm gegenüber völlig harmlos schien, plötzlich so ausgeklügelte Todesfallen bereitstellt, obwohl er dazu eigentlich gar keine Veranlassung und Möglichkeit hat. Unser Held kommt zu der Vermutung, dass jemand anderes Hayyats Situation für seine eigenen Zwecke missbraucht: Zwei Dinge lassen mich perplex, Özdemir. Das erste ist, dass ein so armer Mann wie Hayyat so wertvolle Gegenstände besitzt. In dieser Kiste befindet sich ein wahrer Schatz.

Özdemir: Hayyat scheint sich mehr für den geistigen Reichtum als für den Besitz irdischer Güter zu interessieren. Aber was erstaunt dich noch?

Adrian: Ja, das ist etwas schwerwiegender. Alle Fallen waren tödlich. Bisher hatte Hayyat immer auf verschlungenen Wegen aber auf recht harmlose Weise mit uns kommuniziert.

Özdemir: Du vergisst etwas allzu schnell, dass er Hykmah entführt hat, was nicht gerade eine harmlose Tat ist. Doch gibt es nun Anzeichen, die uns vorsichtiger machen sollten. Verstehst du, was ich meine?

Adrian: Ja. Die Falle im Verschlag wurde erst vor kurzem aufgestellt. Hayyat konnte die Öllampe nicht von seiner Zelle aus versorgen. Entweder hat er also einen Komplizen, oder...

Özdemir: Oder jemand manipuliert ihn und setzt das Suchspiel zu seinen eigenen Zwecken ein.

Adrian: Um den Spuren zu folgen, die wir soeben entdeckt haben, muss ich glaube ich wohl ein paar meiner Beziehungen spielen lassen.

 

Adrian begibt sich also der Reihe nach zu den drei Kultstätten, die er bereits kennen gelernt hat, um deren Hüter nach den drei Gegenständen zu befragen, die er in Hayyats Truhe gefunden hat. Da sich Özdemir bezüglich des Gebrauchs des Tallit nicht ganz sicher war, eilt Adrian zunächst zur Ramban-Synagoge. Als er sich dort an Ort und Stelle ein wenig umsieht, trifft er jedoch nur auf den Rabbi Isaak. Diesem zeigt er den Tallit und erfährt etwas mehr darüber. Er erkundigt sich nach dem Aufenthaltsort von Rabbi Kalonymos und hört, dass dieser sich zum Gebet an der Klagemauer befindet.

Adrian: Kannst Du mir sagen, wozu dieser Gegenstand dient?

Rabbi Isaak: Dieser Gebetsmantel ist wunderschön. Es handelt sich um einen Schal, den wir für das Abend- und das Morgengebet verwenden. Ich habe noch nie einen so herrlichen gesehen, und die Inschrift ist einfach prächtig.

Adrian: Weißt Du, wo ich Kalonymos finde?

Rabbi Isaak: Mein Herr ist zum Gebet in die Nähe der Klagemauer gegangen. Wenn du willst, kannst du ihn dort finden.

Adrian kehrt zurück auf die Karte, auf der jetzt ein neuer Ort verzeichnet ist: die Klagemauer.

Er begibt sich dorthin, geht einen Schritt geradeaus und wendet sich dann nach links zur Klagemauer. Dort steht Kalonymos an der Wand. Auch ihm zeigt Adrian den Tallit:

Adrian: Kalonymos, darf ich Euer Gebet einen Augenblick unterbrechen?

Rabbi Kalonymos: Ich höre dir zu.

Adrian: Kalonymos, ich habe diesen Tallit bei Hayyat gefunden. Ich finde es seltsam, dass ein so armer Mann wie er einen so wertvollen Schal besitzt. Wie denkt Ihr darüber?

Rabbi Kalonymos: Es kommt oft vor, dass sehr fromme arme Männer lieber das Wenige, das sie besitzen, für den Erwerb von frommen Gegenständen verwenden als für prosaischere Bedürfnisse. Aber du hast Recht. Der Tallit hat wirklich etwas Ungewöhnliches: eine kleine Stickerei aus Silberfaden zwischen diesen beiden dunklen Bändern. Siehst du sie?

Adrian: Ich habe diesen Schal vorhin Isaak gezeigt und ihm ist nichts aufgefallen.

Rabbi Kalonymos: Wegen einem Sonnenstrahl, der auf die Metallfaden traf, habe ich näher hingeschaut, sonst hätte ich es auch nicht gesehen.

Adrian: Was besagt diese Inschrift?

Rabbi Kalonymos: Es handelt sich um einen Namen und wahrscheinlich um ein Datum des hebräischen Kalenders: Burgos 5252. Normalerweise steht so etwas nicht auf einem Tallit.

Adrian: Ist es Eure Gewohnheit hier zum Gebet zu kommen?

Rabbi Kalonymos: Es ist keine Gewohnheit, wie du sie verstehst, mein Kind. Sagen wir, es handelt sich dabei ebenso um einen Akt der Inbrunst wie der Erinnerung und der Hoffnung. Diese Ruinen sind Zeuge der Vergangenheit meines Volkes, als es unabhängig, vereint und mächtig war. Unser Wunsch ist es, dass die Kinder von Zion eines Tages erneut vereint im Gelobten Land sind, und dass sie Salomos Tempel wieder aufbauen können, damit sie ihr Schicksal als Licht der Nationen erfüllen.

Adrian: Burgos ist in Spanien.

Rabbi Kalonymos: Ja, früher gab es dort eine große jüdische Gemeinschaft.

Adrian: Welchem Jahr im christlichen Kalender entspricht dieses Datum?

Rabbi Kalonymos: Unser Kalender fängt mit der Schöpfung der Welt an, d.h. 3761 vor Christus. Du musst also abziehen...! Nein, du nimmst das frühere Datum... Ach ja, aber es gibt ja auch Jahre mit 13 Monaten... Das macht dann...! Ach’ ich weiß nicht....

Adrian zieht schließlich den Kalender aus seinem Gepäck zu Rate und kommt so schnell zur richtigen LösungDamit geht es schneller.

Adrian gibt das entsprechende christliche Datum (1492) in die vorgegebenen Felder ein: Es entspricht dem Datum 1492, als die Juden aus Spanien verstoßen wurden. Schnell gelingt es ihm, etwas mehr über Hayyat und seine Vergangenheit zu erfahren.

Rabbi Kalonymos: Mhm, wahrscheinlich war das Leben für jemanden, der einen Gebetsmantel trug 1492 in Burgos kein Zuckerlecken: entweder Religionswechsel oder Flucht oder Tod. Eine andere Wahl gab es nicht.

Adrian: Ihr habt Hayyat getroffen. Wie alt ist er Eurer Meinung nach?

Rabbi Kalonymos: Er ist genauso alt wie ich: 67 Jahre.

Adrian: Wir befinden uns im Jahre 1552. Er ist also 1485 geboren, vielleicht in der jüdischen Gemeinschaft von Burgos. Das lässt dieser Tallit vermuten. Er hätte also Spanien mit 7 verlassen können, ein ausreichendes Alter, um sich zu erinnern und zu verstehen. Wisst Ihr, ob Hayyat Jude ist.

Rabbi Kalonymos: Ja, aber er ist ein Apostat. Er gab die Religion seiner Väter auf und hat sein eigenes System zusammengedacht, eine Art Synkretismus der drei Religionen des Buches.

Adrian: Warum nennt ihr diesen Ort die Klagemauer?

Rabbi Kalonymos: Die Moslems und die Christen nennen sie so, nicht aber die Juden. Für uns ist sie eher die Hoffnungsmauer, denn wir beten hier alle, auf dass sich diese verfallene Mauer eines Tages erneut zum großen Tempel unseres Glaubens aufbäumt.

Adrian: Was bedeutet das Wort Zion, Kalonymos?

Rabbi Kalonymos: Das ist der Name der Burg, die König David eroberte, und aus der er seine Stadt machte: Jerusalem, Jeruschalajiim, was die Stadt des Friedens bedeutet. Aber auch in den Schriften nennt man auch ganz Judäa Zion und sogar alle Menschen des Hauses Israel.

Adrian versucht etwas mehr über Israel und seinen König David in Erfahrung zu bringen: Wie wurde David von den Hebräern als König anerkannt?

Rabbi Kalonymos: Oh, du hast Recht, diese Frage zu stellen. Gewöhnlich wissen die Christen lediglich, dass David ein Hirte war, der einen Riesen mit Hilfe einer Steinschleuder erschlug und mehr nicht. Hör also zu! Etwa 1250 vor Christus, als nach Homer der Trojanische Krieg stattfand, fielen Eindringlinge an den Küsten des Orients ein. So griffen unter anderem die Philister mit ihren Eisenwaffen und Kriegswagen die Israeliten an, die weder einen Kriegschef noch genügend Waffen hatten, um sich zu verteidigen und deswegen schwere Verluste hinnehmen mussten, bis Samuel, Priester des einzigen Gottes, Saul zum König salbte. Hier nun wendete sich das Schicksal. Bald waren Moab, Edom und alle anderen feindlichen Königreiche Israels besiegt. Weil Saul jedoch einen Feind erspart hatte und dadurch dem Willen Jahwes nicht gehorchte, verließ ihn die göttliche Gnade. Nach seinem Tode wurde David, der bereits durch den Ruhm gekrönt war, den Riesen Goliath erschlagen zu haben, sein Nachfolger und vollendete die Vorherrschaft der Hebräer im Land von Kanaan.  David eroberte Jerusalem, und sein Sohn Salomo errichtete dort den ersten Tempel, in dem die Bundeslade untergebracht wurde. Als jedoch Salomo starb, wurde das Land der Hebräer in zwei Königreiche geteilt: Juda im Süden und Israel im Norden, und das jüdische Volk lernte den Schmerz der Teilung kennen.

Adrian: Ihr habt von einem ersten Tempel gesprochen. Es gab also mehrere?

Rabbi Kalonymos: Zwei. Glaubt man der Tradition, dann wurde der erste Tempel von Meister Hiram de Tyr errichtet, einem Architekten, der in große Geheimnisse eingeweiht war. Im Tempel war die Bundeslade untergebracht, ein Schrein, in dem die Gesetzestafeln verwahrt wurden. Doch der Tempel wurde während der Eroberung der Stadt durch König Nebukadnezar zerstört. Und damals verschwand die Lade. Der zweite Tempel wurde von den Römern zerstört, als sie 70 nach Christus Jerusalem eroberten.

Adrian: Danke, Kalonymos. Ich werde nicht vergessen, was Ihr mich soeben gelehrt habt.

Rabbi Kalonymos: Die Erinnerung ist die Schwester der Wahrheit, Adrian, ebenso wie das Vergessen und die Lüge ihrer beider böses Spiegelbild.

Nachdem Adrian bei diesem umfassenden Gespräch vieles über die Geschichte der Juden erfahren hat, was ihm im folgenden noch von Nutzen sein wird, dreht er sich um, geht einen Schritt geradeaus, wendet sich nach links und gelangt auf die Karte von Jerusalem. Sein Weg führt ihn nun zur Grabeskirche, wo er dem Popen Palamedes einen Besuch abstatten will. Im Inneren der Kirche trifft er auf Palamedes, dem er das Kreuz aus Hayyats Truhe zeigt: Diesen Gegenstand habe ich bei Hayyat gefunden.

Pope: Das ist ein wunderschönes Kruzifix, aber ich bezweifle, dass du damit Hayyat wieder findest.

Adrian: Ich glaube nicht, dass es mir helfen wird, ihn zu finden. Aber vielleicht erfahre ich dadurch mehr über ihn. Ihr sagtet mir, dass Hayyat oft zu Euch kam. Über was habt Ihr gesprochen?

Pope Palamedes: Er interessierte sich sehr für Kirchengeschichte. Obwohl er schon enorm viel darüber wusste, wollte er immer mehr darüber wissen und hatte diesbezüglich ein paar eher seltsame Ansichten.

Adrian: Was interessierte ihn besonders?

Pope: Er wollte wissen, in welcher Sprache die Evangelien geschrieben wurden, und wann die christliche Religion zur einzigen Religion des Abendlandes wurde.

Adrian: Diese Dinge interessieren mich ebenfalls sehr, Vater.

Pope: Die Evangelien wurden auf Griechisch geschrieben, mein Kind, zumindest wird das allgemein angenommen. Hayyat glaubte eher, dass sie auf Hebräisch geschrieben wurden.

Adrian: Was für Ansichten vertrat Hayyat?

Pope: Er war sehr darüber beunruhigt, wie Konstantin dem Römischen Reich den christlichen Glauben auferlegt hatte. Er meinte, dass sein Religionswechsel nicht die Frucht einer Offenbarung war, sondern die von rein persönlichem Interesse. Konstantin war für viele grausame Verbrechen verantwortlich. Verbrechen, von denen ihn selbst die Priester der Religion seiner Urväter nicht freisprechen konnten. Ein christlicher Bischof versprach ihm als einziger die Absolution, vorausgesetzt, dass er das Römische Reich zu christlichem Land machte. Das gibt Hayyat vor.

Adrian: Das Römische Reich war also das erste Reich, das offiziell christlich wurde?

Pope: Nein, das erste Land, das sich vollkommen zum Christentum bekannte, war Armenien Anfang des 4. Jahrhunderts.

Adrian: Wer war Bar Kochba?

Pope: Von 132 bis 135 nach Christi lehnten sich die Juden erneut gegen Rom auf.  Bar Kochbar war Anführer dieses Aufstands. Er flüchtete mit seinen Männern auf die Burg Bethar und wurde aber von den Legionen des Kaisers Hadrian besiegt. Nach diesem letzten Aufstand wurde den Juden der Zugang nach Jerusalem verboten. Die heidnische Stadt wurde Aelia Capitolina genannt.

Adrian verlässt die Grabeskirche, geht geradeaus, wendet sich nach rechts und gelangt zurück auf die Karte. Von dort aus begibt er sich nun zur Madrese Tankkiziyya, wo er Abd El Walid den Gebetsteppich zeigt, den er aus Hayyats Truhe genommen hat. Dieser ist gerade dabei, seinen jugendlichen Schüler in die Geheimnisse des Glaubens einzuweihen:

Alil, Lam, Mim. Hier ist das Buch. Es ist jenseits allen Zweifels und leitet jene, die Gott fürchten, jene, die an die Mysterien glauben, jene, die das Gebet verrichten.

Adrian: Darf ich Euch in Eurer Meditation unterbrechen, Heiliger Mann?

Abd El Wahid: Du brauchst nicht zu fürchten, mich zu stören. Mit einem Freund zu sprechen, ist eine der schönsten Formen der Meditation, die ich kenne. Es ist mir eine Freude, dich wieder zu sehen.

Adrian: Ich weiß, dass dieser Gegenstand eine Sadschada ist, ein Gebetsteppich, aber ich möchte den symbolischen Wert kennen, den ihr die Moslems geben.

Abd El Wahid: Die Sadschada ist wie eine Pforte, eine Pforte jedoch, die eine ganz besondere Zeit und keineswegs einen Raum eröffnet. Und diese besondere Zeit, ist die Zeit der Vertrautheit mit unserem Schöpfer.

Adrian: Ich habe diesen Teppich bei Hayyat gefunden. Gibt es irgendetwas Besonderes darüber zu sagen?

Abd El Wahid: Ich weiß nicht, du hättest Meister Jamal, den Chef der Tariqa Teppichknüpfer fragen sollen, doch er ist mit der letzten Karawane zum Hadsch aufgebrochen. Er ist erst wieder in ein paar Wochen zurück.

Adrian: Du hast von einer Tariqa gesprochen, ist das eine Zunft?

Abd El Wahid: Ja, es gibt im Islam für alle Handwerke Tariqa. Es handelt sich  dabei aber um mehr als um bloße Handwerksgenossenschaften. Mitglied einer Tariqa zu sein, das bedeutet, dass man dem Pfad des wahren Meisters der Weisheit folgen muss, denn die meisten Patriarchen sind Sufis. Deshalb unterstützt auch das osmanische Reich diese Bruderschaften.

Adrian: Es wurde mir gesagt, dass Sultan Suleiman großen Respekt vor den Sufis hat. Gibt es dafür einen besonderen Grund? Die Sufis haben also heute in gewisser Weise dieselbe Rolle wie die orthodoxen Sunni zur Zeit der Mameluken. Und wer widersetzt sich dem osmanischen Reich?

Abd El Wahid: Eine schwierige Frage. Sagen wir, an sich gibt es keine Opposition, aber die Quellen der Unzufriedenheit des Volkes werden manchmal von den Mitgliedern der Futuwah genährt.

Adrian: Ich weiß nicht, was Futuwah sind.

Abd El Wahid: Das sind Bruderschaften von jungen Leuten, deren Ehrenkodex sehr streng ist, ritterlich fast. Besonders in den großen Städten des Reichs findet man sie vor.

Adrian: Welches sind die Quellen der Unzufriedenheit des Volkes, die du erwähnt hast?

Abd El Wahid: Nun, seitdem die Europäer die Seewege entdeckt haben, über die sie Gewürze und Seide direkt aus Indien holen können, sind unsere Städte für den Handel nicht mehr so wichtig. Sie werden ärmer, doch der Stadt ist uneinsichtig und verlangt immer mehr Steuern. Und dagegen wehren sich die jungen Leute der Futuwah, denn soziale Gerechtigkeit liegt ihnen sehr am Herzen.

Adrian: Glaubst du, dass Hayyat mit den Mitgliedern der Futuwah in Verbindung stand?

Abd El Wahid: Das ist mehr als wahrscheinlich. Hayyat traf viele Leute, und die Leute der Futuwah sind unter dem Volk. Es ist einfach, sie zu finden.

Adrian erinnert sich an den freundlichen und hilfsbereiten Schmied und fragt sich, ob dieser ein Mitglied der Futuwah sein könnte: Ich glaube, ich bin sogar einem von ihnen begegnet. Danke, dass du mit mir dein Wissen geteilt hast, heiliger Mann. Es wird mir äußerst hilfreich sein.

Abd El Wahid: Wissen ist wie eine Flamme, die von Fackel zu Fackel geht, Adrian Diejenigen, die sie weiter reichen, verlieren sie nicht.

Da Adrian inzwischen sicher ist, dass der freundliche Schmied zu den Mitgliedern der Futawah zählt, kehrt er dorthin zurück, um etwas mehr über Hayyat in Erfahrung zu bringen. Er spricht den Schmied an und bittet diesen erneut um seine Hilfe: Bist Du immer noch bereit, mir zu helfen, Freund?

Schmied Ibn An-Nur: Was kann ich für dich tun? Dir ein Instrument schmieden?

Adrian fragt ihn, ob er Hayyat, den Mieter der Witwe Pichon kennt. Der Schmied bejaht dies, kann jedoch nicht glauben, welcher Missetaten man Hayyat inzwischen bezichtigt: Nein, schmiede mir eher eine Antwort. Kennst du den Mann, der bei deiner Nachbarin, der Witwe Pichon, wohnte?

Schmied: Hayyat? Sicher kenne ich ihn. Er kam oft zu mir, um mit mir nach seiner Arbeit zu reden. Ich mochte ihn. Ich habe gehört, was er getan hat, und das überrascht mich. Du bist dir sicher, dass er die Tochter des Statthalters entführt hat?

Adrian: Es scheint so, ja. Aber du hast gesagt, dass er arbeitete.

Schmied: Er predigte, das war seine Arbeit. Er ging durch die Straßen Jerusalems und predigte die Liebe. Das störte niemanden. Aber die Behörden sperrten ihn lieber ein. Ich wollte ihn im Gefängnis besuchen, aber einer der Männer des Kämmerers sagte, dass er eingekerkert wurde. Das fand ich etwas seltsam, aber ich habe nicht weiter gebohrt.

Adrian: Hat dir Hayyat sein Leben erzählt.

Schmied: Ja, ein bisschen. Ich weiß, dass er in der jüdischen Gemeinde in Burgos zur Welt kam, bevor seine Glaubensgenossen vertrieben wurden. Seine Familie fand in Portugal zuflucht. Danach wurde er als Sklave an einen Moslem verkauft und dann von Christen gekauft – ein richtiges Abenteurerleben.

Adrian: Das ihn mit Menschen aller Religionen in Kontakt brachte, sei es nun zum Guten oder zum Schlechten.

 

Nach diesem Gespräch fühlt sich Adrian in all’ seinen Vermutungen, Hayyat und dessen Herkunft betreffend, bestätigt. Plötzlich ertönt eine Stimme – offenbar die der Witwe Pichon, die um Hilfe ruft, da ein Brandstifter ein Feuer in diesem Stadtviertel gelegt hat: Feuer, Feuer. Der Dieb hat Feuer gelegt! Feuer! Feuer! Ah! Für Adrian gilt es, nun schnell zu handeln. Er ergreift den Hackenstiel, der neben dem Schmied auf dem Boden liegt, wendet sich nach links und eilt dem Brandstifter hinterher. Er benutzt den Stiel aus seinem Gepäck und bringt den Mann damit zur Strecke.

 

Der Brandstifter stürzt zu Boden und Adrian kann ihn überwältigen. In der Zwischenzeit gelingt es dem Schmied, den Brand zu löschen. Adrian spricht nun erneut mit dem Schmied: Dieses Haus scheint offensichtlich viele zu interessieren.

Schmied: Es war nicht schlimm, nur ein paar kleine Flammen, die es zu löschen galt. Ich bin Flammen gewohnt. Er beunruhigt die verängstigte Witwe Pichon, die ihre Bewunderung für den tatkräftigen Schmied lautstark zum Ausdruck bringt.

Schmied: Ihr braucht euch nicht mehr zu fürchten.

Witwe Pichon: Ach, wat für’n Kerl, der Mann da – ne richtige Naturkraft, hat das große Feuer ganz allein gelöscht, ja.

 

Der Schmied überreicht Adrian ein Dokument, welches er im Feuer gefunden hatDas hab’ ich in der Asche gefunden. Ich weiß nicht, ob das wichtig ist. Adrian wendet sich an den Brandstifter und versucht vergeblich, etwas über dessen Beweggründe in Erfahrung zu bringen: Bist Du hierher gekommen, um dieses Manuskript zu verbrennen?

Brandstifter: Das geht dich nichts an, kleiner, dreckiger Schnüffler. Du kannst mich ruhig ins Gefängnis werden, ich werde dort nicht lange schmachten.  Die Tage des Statthalters sind gezählt.

 

Adrian geben diese Worte sehr zu denken. Sollte jemand eine Verschwörung gegen den Statthalter angezettelt haben? Die Tatsache, dass jemand beauftragt wurde, ein wichtiges Dokument in Hayyats Wohnung zu beseitigen, ist höchst alarmierend. Was und wie viel hat dieser Mann mit dieser Angelegenheit zu tun? Adrian beschließt, dem Statthalter umgehend davon Meldung zu machen: Ich bin mir sicher, dass sich der Statthalter sehr für das interessieren wird, was du soeben angedeutet hast. Wir werden unser Gespräch in seiner Anwesenheit fortsetzen.

 

Adrian macht den Mann dingfest und führt ihn dem Statthalter im Ratssaal vor, wo er auch auf Özdemir und den Kämmerer Ibrahim trifft. Er schildert ihm die Vorkommnisse in allen Einzelheiten: Statthalter, dieser Mann wurde zu Hayyat geschickt, um dort ein Manuskript zu finden und zu verbrennen, das uns bei unserem letzten Besuch entgangen ist. Für Adrian ist es offensichtlich, dass Hayyat einen Komplizen hatte, der ihm bei der Flucht und der Entführung von Hykmah half und ihn manipulierte. Zum Kreis der Verdächtigen zählt der Kämmerer Ibrahim, für den sich der Statthalt jedoch vorbehaltlos verbürgt.

Statthalter: Wir sind also nicht die einzigen, die Hayyat suchen.

Özdemir: Ich glaube, dass unserer Verrückter dem entwischt ist, der ihn manipulierte.

Adrian: Özdemir sieht richtig, Statthalter. Alleine hätte Hayyat nicht entkommen, ihre Tochter entführen und die Reliquie stehlen können. Wo war übrigens dieser berühmte Dolch Abrahams aufbewahrt?

Kämmerer Ibrahim: In meinem Arbeitszimmer. Aber das war kein Geheimnis. Alle Beamten hier wussten dies.

Statthalter: Ich bürge für Ibrahim wie für mich selbst, Özdemir. Seit mehr als 30 Jahren ist er mein Adjutant. Und er hat mir bei der Schlacht zu Mohacs gegen die Ungarn das Leben gerettet.

Özdemir:  Adrian, glaubst du, dass wir aus dem verkohlten Teil, mit dem du dir die Finger schmutzig machst, irgendwelche Schlüsse ziehen können.

Adrian: Eine Seite ist auf Hebräisch, ein Zitat Jesajas über den Tod. Ich glaube, ich erkenne darin einen Abschnitt des Römerbriefes, welcher der Auferstehung gewidmet ist. Die Worte Nakir und Munkir sind auf Arabisch geschrieben.

Statthalter: Die Namen der Todesengel! Du bringst uns damit kein gutes Omen, Sekretär!

Adrian: Vielleicht nicht. Ich glaube aber, dass damit die Pforte zu einer anderen Existenz, zu einem besseren Leben gemeint ist. Das ist sicherlich gemäß Hayyat der Weg der Hoffnung.

Adrian versucht erneut, den Brandstifter dazu zu bewegen, den Namen seines Auftraggebers preiszugeben: Ich zweifle, dass der Statthalter bei seinem Urteil dir gegenüber besonders mildherzig sein wird, außer wenn du dich vielleicht dazu entschließt, uns zu verraten, für wen du arbeitest. Der Mann befindet sich in einer kniffligen Lage, da er den Zorn seines Auftraggebers fürchtet, der nicht nur ihn, sondern auch seine Angehörigen treffen könnte. Adrian erklärt sich bereit, ihm bis Tagesanbruch Bedenkzeit zu geben.

Brandstifter: Was immer geschehe, der Statthalter kann nicht über mehr, als über meinen Kopf richten. Derjenige, der mir aufgetragen hat,  bei Hayyat zu schnüffeln, hätte keinerlei Skrupel, die Meinen büßen zu lassen, falls ich ihn verrate. Lass’ mir etwas Zeit zum überlegen, damit ich abwägen kann.

Adrian: Ich nehme deinen Vorschlag an. Ich lasse dir die Nacht zum überlegen. Wir sehen uns morgen früh bei Sonnenaufgang wieder.

Statthalter: Es ist schon ziemlich spät. Lasst uns nun alle etwas ruhen. Bald bricht der Tag an, und morgen brauchen wir Allahs Gunst besonders, auf das wir genügend Kraft haben, ihrer würdig zu sein. Adrian bittet Özdemir, ihm bei der Aufklärung der Angelegenheit behilflich zu sein. Dieser warnt seinen Freund vor den möglichen Gefahren, denen er sich aussetzt: Adrian, entweder bist du ein Idiot oder...

Adrian: ... oder ich habe eine Idee im Hinterkopf. Ja, Özdemir, ich werde dich bitten müssen, deine Autorität walten zu lassen, um die Zelle des Brandstifters diskret überwachen zu lassen.

Özdemir: Das lässt sich machen. Und du, was wirst du während dieser Zeit machen?

Adrian: Einigen von meinen Freunden einen nächtlichen Besuch abstatten.

Özdemir: Ah, ich verstehe! Aber ich will es gar nicht wissen – zumindest noch nicht. Bis morgen, Adrian. Auf das die Nacht dein Komplize sei.

Adrian: Die Nacht ist Komplize, und der Tag verrät. Hat das nicht der Dichter Al Jahiz geschrieben?

Özdemir: Du bist gebildet wie ein Schriftgelehrter und stellst manchmal so naive Fragen wie ein Kind, Adrian. Ich glaube, dass Hayyat und du sicher einiges gemeinsam haben.

Adrian: Ich fange an, ihn gut zu verstehen. Ich bin überzeugt, dass wir Hykmah heil und gesund wieder finden und das schon morgen.

Özdemir: Wenn dir zuvor nichts Ärgerliches zustößt.

 

© Copyright Renate Pieper

 

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