Einleitung

1) Teil 1: Ankunft in Jerusalem

2) Teil 2: Das Komplott

3) Teil 3: Ende gut - alles gut!

 

Adrian sieht sich an Ort und Stelle um.

 

Er geht in Richtung eines Baumes, in dem sich ein Nest mit ausschwärmenden Bienen befindet, und findet etwas rechts davon einen „geflochtenen Zopf“, eine Art Bastmatte. Vielleicht kann in dieser Gegenstand vor der sengenden Sonne ein wenig schützen. Adrian geht weiter und gelangt an eine Feuerstelle, wo er den Teil eines Harnischs entdeckt. Von der Feuerstelle kann er einen kleinen Stein an sich nehmen.

 

Nicht weit davon entfernt bemerkt er ein Loch im Sand. Links davor steckt er einen Palmenzweig ein. Um gegen etwaige Feinde gewappnet zu sein, verbindet er in seinem Gepäck den Stein dem Harnisch, worauf er eine Schleuder erhält.

Da Ishtar ihn aufgefordert hat, sich nach Jerusalem zu begeben, beschließt Adrian, sich auf den Weg zu machen. Er geht Richtung Wüste. Seine Absicht wird jedoch jäh beendet, als er die Bekanntschaft von Özdemir macht, einem Beauftragten des Sultans Soleiman, der sich auf dem Weg nach Jerusalem befand, als seine Karawane von Plünderern überfallen wurde. In letzter Minute hat er sich bis zur Oase retten können, doch die Feinde sind nicht weit. Sie müssen sich schnell in Sicherheit bringen, um dem sicheren Tod zu entrinnen.

Adrian: Wer kommt?

Özdemir: Die Plünderer. Sie haben meine Männer getötet. Verstecken wir uns!

Adrian fällt das Loch im Sand ein, dass er bei seinem Streifzug entdeckt hat. Er kehrt in Begleitung des Fremden dorthin zurück, legt die Bastmatte auf das Loch, nimmt etwas Sand links vom Loch und wirft diesen auf die Matte, um das Versteck noch besser zu verbergen. Ehe er und Özdemir sich unter der Matte in Deckung bringen, verwischt er noch mit dem Palmenzweig alle Fußspuren, die sie auf dem Weg zum Loch hinterlassen haben.

 

(Dies ist eine Frage der Zeit, denn die Sanduhr läuft!). Als die Plünderer direkt vor ihrem Versteck stehen, schiebt Adrian die Bastmatte wieder beiseite und zielt mit der Schleuder aus seinem Gepäck auf das Bienennest. Die aufgestörten Bienen lassen sich nicht lange bitten und schlagen die Feinde in die Flucht. Nachdem die Gefahr gebannt ist, ist es an der Zeit, sich ein wenig näher kennen zu lernen.

 

Adrian erfährt etwas mehr über den Ort und die Zeit, in der er sich befindet. Desgleichen erhält er gleich noch ein wenig Religionsunterricht in Sachen Islam.

Adrian: Und dein Herr nährte die Bienen. Er sprach: ‚Baue Dir Häuser in Bergen und Bäumen und Bienenstöcken. Iß von allen Früchten.“

Özdemir: Du rettest mir das Leben, obwohl du mich nicht kennst! Du zitierst den Koran, doch ich sehe, dass Du nicht von hier bist.

Falls Allah mir ein Zeichen setzen wollte, dann hätte er es nicht deutlicher tun können. Danken wir ihm, dass die Beduinen keine Zeit mehr hatten, meine Sachen mitzunehmen. Komm’, lass uns nun essen!

Özdemir: Wer bist du Freund. Ich kenne nicht einmal deinen Namen.

Adrian: Ich heiße Adrian und ehrlich gesagt, ich weiß weder wo ich bin, noch in welchem Jahr wir uns befinden. Jetzt glaubst du wohl, dass ich verrückt bin.

Özdemir: Manchmal verliert man mehr, als nur seinen Weg in der Wüste. Wir haben das Jahr 930 nach der Hedschra, Adrian. Diese Oase ist einen Tagesmarsch von Jerusalem entfernt. Aber, was machst du hier. Bist du ein christlicher Pilger?

Adrian: In gewisser Weise, ja.

Özdemir: Du bist vorsichtig. Eine Tugend in der Wüste! Und für einen Mann aus dem Norden sprichst Du gut Arabisch, was noch eine viel größere Tugend ist.  Komm, nimm’ noch etwas Tee, Pilger! Mein Name ist Özdemir.

Adrian: Die Hedschra – was meinst du damit?

Özdemir: So nennen wir  den Anfang unserer Ära. An diesem Tag wanderte Mohammed von Mekka nach Medina aus, wo seine treuen Genossen auf ihn warteten. Dies geschah im September 622 der christlichen Ära. Gemäß der christlichen Zeitrechnung befinden wir uns heute im Jahre 1522 nach der Geburt eures Messias.

Adrian: Jerusalem, das ist also die heilige Stadt. Hilfst du mir, sie zu finden?

Özdemir: Ich stehe in deiner Schuld, Adrian. Du magst ein Ungläubiger sein, doch ich vergesse nicht, dass ich dir mein Leben verdanke.

Adrian: Du betest zu Allah und du versprichst einem Fremden deine Hilfe, dessen Vorfahren einst diesen Boden als Feinde betraten. Du bist ein Mann des Friedens, Özdemir.

Özdemir: Ich befolge nur des Propheten Gebot der Barmherzigkeit.

Im Nachfolgenden versucht Özdemir unserem Helden die gemeinsamen Wurzeln der drei monotheistischen Religionen aufzuzeigen und damit zu beweisen, dass sie mehr vereint als sie voneinander trennt, auch wenn für ihn der Islam der einzig richtige Glaube ist.

Was nun unseren unterschiedlichen Glauben anbelangt, so kenne ich eine Geschichte. Hör zu und schau’. Özdemir zeichnet dreispaltiges Schema in den Sand und sagt:  Stell’ Dir vor: ein Jude, ein Christ und ein Moslem sitzen an einem Lagerfeuer. Unsere drei Religionen sind in der Wüste geboren. Schreibe ich also die Geschichte von Gott und den Menschen in den Sand, sind wir alle damit einverstanden.

 

Im folgenden Rätsel muss Adrian zunächst die Propheten in die chronologische Reihenfolge von rechts nach links (Abraham – Moses – Jesus - Mohammed) bringen und dann den Personen, die entsprechenden heiligen Bücher zuordnen (Moses: Tora/Stora; Jesus: Evangelien; Mohammed: Koran)

 

Özdemir: Schreib’ rechts den Namen des ersten Propheten. (Adrian wählt Abraham im Inventar aus und setzt den Schriftzug in die rechte Spalte)... Gut. Alle am Feuer sind sich einig. Schreib’ nun den Namen des großen Propheten, der nach ihm gekommen ist.  – (Adrian schreibt Moses in die Spalte links daneben) Ja, wir nennen ihn Mussa. Um das Feuer herum sind sich alle einig, Mussa ist ein großer Prophet, doch der Jude sagt: „Der Beweis hört hier auf. Mussa erhielt das Gesetz Gottes, und niemand kann seinen Willen besser kennen als er. Und er steht auf und geht. Jetzt sitzen nur noch der Christ und der Moslem am Feuer. Schreib’ nun den Namen des Gottesmannes, der nach Mussa kam. (Adrian schreibt Jesus in die Spalte links neben Moses)

Genau, Wir nennen ihn Issa, und auch bei uns ist er ein großer Prophet. Doch der Christ – nicht du, Fremder, sondern der Christ aus der Geschichte sagt: Issa war der Sohn Gottes, und er verkündete das neue Wort Gottes. Niemand kennt den Willen des Vaters besser als sein eigener Sohn. Auch er steht auf und geht.

Schreib’ nun den Namen des Propheten der nach Jesus kam (Adrian setzt das letzte Element: Mohammed in die Spalte ganz links ein).

So ist es. Der Moslem ist damit einverstanden. Doch sitzt er nun ganz allein am Feuer. Und er sagt: Mussa und Issa waren wahrlich große Propheten, doch Mohammed kam danach, und Allah hat ihm den Rest der Worte offenbart.

Özdemir fordert Adrian auf, die heiligen Bücher den einzelnen Propheten zuzuordnen: Schreib’ jetzt die Namen der heiligen Bücher unter die der Propheten. Adrian tut, wie Özdemir ihn geheißen hat (Moses: Tora/Stora; Jesus: Evangelien; Mohammed: Koran).

Özdemir ist zufrieden mit dem Werk und beendet seine Geschichte:

Die Seite ist vollständig. Doch niemand ist sich einig bezüglich der Namen und deren Verdienst. Doch siehe, der Moslem ist der einzige, der das Verdienst der drei Propheten und deren Worte anerkennt. Er ist also zweifelsohne der Weiseste unter ihnen.

Adrian: Warum ist der Weiseste, mein Freund?

Özdemir: Er ist der Weiseste, weil er am Ende der Diskussion der Einzige ist, der immer noch am Feuer sitzt. Wogegen die zwei anderen in die kalte Nacht  hinauszogen, was in der Wüste Wahnsinn ist. Selbst ein Kind weiß das.

Adrian: Özdemir, ein so weiser Mann wie du ihn beschreibst, hätte alle dazu gebracht, am Feuer sitzen zu bleiben.

Özdemir: Oh, vielleicht. Aber dazu hätte man im Sand über Abraham den Namen des Allmächtigen so schreiben müssen, dass alle damit einverstanden wären. Wenn dir das gelingt dann bist du der Weiseste unter allen. Doch ich werde jetzt schlafen, denn ich zweifle, dass ich jemals einen Menschen treffen werde, der dazu in der Lage ist.

 

Es ist nun an Adrian, den Beweis anzutreten, dass es möglich ist, die drei Religionen zu vereinen. Er nimmt die Schale, die zwischen ihm und Özdemir steht und füllt diese im Inventar mit etwas Wasser aus seinem Krug. (beides kombinieren). Die mit Wasser gefüllte Schale setzt er dann auf die Zeichnung, die Özdemir in den Sand geschrieben hat. Özdemir muss zugeben, dass Adrian die Aufgabe mit Bravour gelöst hat.

 

Er seinerseits ergänzt die drei Elemente durch ein weiteres (das Feuer), indem er eine brennende Kerze auf die Wasserschale setzt.

Adrian: Özdemir, auch ich habe dir etwas zu zeigen.

Özdemir: Ja, die Erde, das Wasser, der Himmel – alles ist Gott. Und das Feuer. Der Glaube, den Allah im Herzen des Menschen entfacht. Du bist also mutig, gelehrt, vorsichtig und weise. Du sprichst Arabisch. Einen Mann wie dich brauche ich dort, wo ich hingehe. Welche Sprachen beherrschst du noch?

Adrian: Griechisch, Lateinisch, Hebräisch, die Sprache der französischen Alliierten deines Sultans.

Nachdem Adrian alle Prüfungen bestanden hat, ist Özdemir nur allzu gerne bereit, ihn als Übersetzer mit nach Jerusalem zu nehmen, wo er sich der Bewältigung einer diffizilen Aufgabe stellen muss: Ein Übersetzer! Allahs Vorhersehung hat dich auf meinen Weg geführt. Ich muss mich in Jerusalem um eine schwierige Sache kümmern, bei der mir dein Talent sehr nützlich sein kann. Bist du bereit, ein paar Tage mit mir zu verbringen?

Adrian: Es wäre mir eine Ehre. Und da es keinen Zufall gibt, Özdemir, helfe ich mir vielleicht selbst, indem ich dir helfe.

Die Reise führt Adrian und Özdemir nun nach Jerusalem. Der Anblick der heiligen Stadt fasziniert beide auf unterschiedliche Weise.

Özdemir: Jerusalem die dreimal heilige!

Adrian: Die Stadt der Passion Christi!

Özdemir: Mohammed auf einer beflügelten Stute mit Frauengesicht fand hier zu Allah und für die Juden...

Adrian: Die Stadt Davids, ihres größten Königs, und Ort des salomonischen Tempels, dem Heiligtum der Bundeslade!

Adrian: Ich frage mich, was sie für mich sein wird!

Özdemir: Maktub, Adrian, es steht geschrieben  ... !

Kurz darauf stehen sie vor den Toren der Stadt.

Adrian: Diese Mauern sind beeindruckend.

Özdemir: Jerusalem liegt Suleiman sehr am Herzen. Er ließ hier zahlreiche Bauten errichten – Brunnen, die neue Fassade des Felsendoms, ein Armenhaus und der Wiederaufbau der Stadtmauern. Eine Stadt wie diese ist nie vor dem Ansturm der Beduinen oder sogar vor einem neuen Kreuzzug sicher.

Adrian wundert sich über die zahlreichen Wachen, die die Tore der Stadt sichern: Sind das Janitscharen, die den Eingang bewachen?

Özdemir: Ja! Christenkinder, die aus den eroberten Gebieten entführt und zu Mönchssoldaten erzogen wurden. Sie sind die Stützen des Reichs. Doch ich befürchte manchmal, dass ihre Macht allzu groß wird. Komm’! Es ist nun höchste Zeit, dass wir uns vorstellen.

Özdemir überreicht der Wache seinen Passagierschein, der ihn als Gesandten des Sultans Suleiman ausweist und erhält mit seinem Begleiter Adrian Zugang zur Stadt: Wache, ich bin Tschavusch seiner Durchlaucht Sultan Suleiman. Ich muss so schnell wie möglich den Statthalter sprechen!

Adrian versucht etwas mehr über die Funktion seines Begleiters und dessen Auftrag in Erfahrung zu bringen: Du hast dich den Janitscharen als Tschavusch vorgestellt – was ist das?

Özdemir: Das ist mein Titel. Ich bin ein Gesandter des Diwans. Seine Hoheit, Suleiman der Prächtige – geehrt sei sein Name – hat mich gesandt, um den Statthalter zu treffen, der sich in einer misslichen Lage befindet. Bei den Ausgrabungen, die beim Wiederaufbau der Stadt gemacht wurden, fand man eine Holzschachtel mit einem alten Dolch darin. Die Nachricht ging um wie ein Lauffeuer. Und jeder will nun darin das Opfermesser sehen, das Abraham emporschwang, um auf Geheiß des Allmächtigen seinen Sohn Isaak zu opfern. Wir stehen kurz vor einem offenen Konflikt der Millets, die alle das Messer – das einige für eine Reliquie halten – für sich in Anspruch nehmen wollen.

Adrian lässt sich die für ihn fremden Begriffe erläutern und erhält des gleichen ein wenig Nachhilfe in Bibelkunde: Die Millets, was bedeutet das?

Özdemir: So nennt man die verschiedenen Religionsgemeinschaften, die unter osmanischem Gesetz zusammenleben.

Adrian: Worin besteht die Aufgabe des Statthalters in einer Stadt wie Jerusalem?

Özdemir: Der Statthalter ist Verwalter und Richter der Stadt zugleich. Er orientiert sich an der Sonar, der islamischen Tradition, wie sie uns der Prophet durch den Koran und auch durch sein exemplarisches Handeln vermacht hat.

Adrian: Warum sollte Abraham seinen Sohn Isaak opfern?

Özdemir: Der Allmächtige verlangte es als Glaubensbeweis. Doch im letzten Moment erschien ihm ein Engel und anstatt einem seiner Söhne opferte der Patriarch einen Widder. Ich sagte wohlweislich „einen“ seiner Söhne, denn gemäß dem Islam ist es Ismael, den Abraham opfern wollte, obwohl in der Bibel steht, dass  Isaak geopfert werden sollte.

Adrian: Abraham hatte demnach zwei Söhne. Doch welcher war der älteste?

Özdemir: Ismael ist sein Erstgeborener. Er ist der Sohn der Ägypterin Haggar. Er ist der Ahnvater der arabischen Stämme.

Adrian: Wer ist die Mutter Isaaks?

Özdemir: Sara gebar Isaak, als sie fast 90 Jahre alt war. Ihr Name bedeutet Lachen, denn als sie erfuhr, dass sie in ihrem hohen Alter noch gebären sollte, war sie voller Freude. Isaak ist der Ahnvater des jüdischen Volkes. Zu seiner Überraschung muss Adrian feststellen, dass Juden und Araber vieles gemeinsam haben: Die Juden und die Araber sind also Brudervölker.

Özdemir: Gemäß der Tradition, ja! Araber und Juden haben dasselbe Erbe und dasselbe Blut.

Im Folgenden erfährt er einiges über den Statthalter von Jerusalem, dem Özdemirs Besuch in Jerusalem gilt:

Adrian: Du scheinst den Mann, den wir treffen werden, schon zu kennen.

Özdemir: Er ist ein alter Kampfgenosse unseres Sultans. Allah hat ihn oft geprüft. Seine vier Söhne ließen ihr Leben, damit unser Banner über den Stadttoren Budapests wehen kann. Und Layla, seine zweite Gemahlin, ist ebenfalls tot. Er hat nur noch seine Tochter Hykmah. Er lebt nur für sie und für sein Amt, das er sich aufs beste zu erfüllen bemüht.

 

 

Der Weg führt die beiden Reisenden in die Gärten des Palastes des Statthalters, wo sie von Ibrahim, dem Kämmerer des Statthalters, begrüßt werden: Servus, Özdemir, was für eine Freude Euch wieder zu sehen.

Özdemir: Auf das Allahs Segen Euch begleite, Ibrahim. Das ist Adrian, mein Übersetzer.

Ibrahim: Folgt mir, der Statthalter erwartet Euch!

Der Kämmerer geleitet sie in den Ratssaal. Dort wartet der Statthalter bereits darauf, Özdemir von den Problemen zu berichten, mit denen er zu kämpfen hat. Adrian erfährt, dass jemand den Dolch Abrahams, der als heiliger Gegenstand verehrt wird, gestohlen, und dass der Dieb desgleichen die einzige Tochter des Statthalters entführt hat. Obwohl der Dieb, ein religiöser Eiferer namens Hayyat eingekerkert wurde, ist es ihm gelungen, zu entkommen.

 

 

Statthalter: Tschavusch, Euer Kommen erfreut mein Herz, doch ich habe Euch Düsteres mitzuteilen. Der Dolch Abrahams wurde vor weniger als einer Stunde hier gestohlen. Nichts kann meine Schande lindern, noch meine Verzweiflung von mir nehmen. Denn derjenige, der diesen Diebstahl begangen hat, hat auch meine Tochter Hykmah entführt.

Özdemir: Wisst Ihr, wer so verrückt sein könnte, ein solches Verbrechen zu begehen?

Statthalter: Der Täter ist ein Schwärmer, eine Art Prediger namens Hayyat. Ein Mann, den Ibrahim vor über einem Monat wegen Störung der öffentlichen Ordnung einsperren ließ.

Özdemir: Wie konnte er entkommen? Wo war er unter Verwahrung?

Özdemir lässt sich und Adrian sofort ins Gefängnis zu der Zelle bringen, wo der Mann eingesperrt war, um sich selbst einen Überblick zu verschaffen.

Statthalter: Ibrahim führe uns zu seiner Zelle!

Dort angekommen finden sie zu ihrer Überraschung seltsame Zeichnungen in der Zelle vor. Adrian vermutet sogleich, dass die Wandfresken Aufschluss über Hayyats Absichten geben können.

Statthalter: Ibrahim, was bedeutet das?

Adrian:  Unser Verbrecher ist ein Künstler...

Özdemir: und ein Gelehrter. Seht! Er spricht mindestens drei Sprachen. Auch ist er ein guter Gartenzeichner.

Statthalter: Hat er eine Nachricht hinterlassen?

Özdemir: Weiß man, warum er Hykmah entführt hat?

Adrian: Özdemir, würdet ihr mir bitte erlauben... Ich glaube, dass die Antwort hier auf diesen Mauern steht. Wir müssen nur den Irrwitz dieses Mannes zu entschlüsseln wissen.

Ibrahim: Ich werde die Stadt durchsuchen lassen. Lange kann er uns nicht entgehen.

Der Statthalter bittet Özdemir um seine Hilfe in der Angelegenheit. Es muss ihm gelingen, die Sache umgehend zu klären, da zum einen seine Tochter in Gefahr ist und er zum anderen sein Amt aufs Spiel setzt: Findet meine Tochter wieder! Özdemir, ich werde im Ratssaal sein. Falls ihr etwas entdeckt, dann sagt mir Bescheid. Zögert nicht, den Sufi, der in der Bibliothek studiert, zu Rate zu ziehen. Er ist ein weiser Mann. Wenn wir scheitern, dann bin ich dem Vertrauen Suleimans nicht mehr würdig.

Özdemir fordert Adrian auf, ihm bei der Aufklärung der Angelegenheit behilflich zu sein: Nun, Adrian, was für eine Herausforderung für Deinen Scharfsinn.

Adrian: Der Statthalter scheint vom Verschwinden Hykmahs nicht besonders erschüttert.

Özdemir: Täusche Dich nicht. Ich kenne ihn gut. Er sorgt sich fürchterlich. Doch seine Ehre verlangt, dass er seine Pflichten unfehlbar erfüllt. Er wurde von Suleiman selbst ernannt und nur der kann ihn seines Amtes entheben.

Adrian: Was weißt du von der Tochter des Statthalters?

Özdemir: Ich habe viel von Hykmah gehört. Man sagt, sie sei ebenso schön und lebhaft wie Layla, ihre verstorbene Mutter. Sie ist sehr beliebt in Jerusalem. Vielleicht hat unser Verrückter sie deshalb ausgesucht, um zu beeindrucken. Ihr Verlust würde von allen Millets bedauert werden.

Adrian: Der Statthalter hat einen Sufi erwähnt. Was ist das?

Özdemir: Das sind geistige Meister, die sich der Ekstase und Versenkung hingeben. Sie gehen ihren Weg alleine, manchmal sogar weit abseits von Mohammeds Geboten der Offenbarung  und der Scharia, der Pflichtenlehre, die aus dem Koran hervorgegangen ist. Suleiman achtet sie sehr und verehrt einen der größten unter ihnen, den vor drei Jahrhunderten verstorbenen Ibn Arabi.

Adrian nutzt nun endlich die Gelegenheit, sich die Zeichnungen an der Wand  (links vom Eingang) genauer anzusehen: Sieht so aus wie Teil einer Karte.

Özdemir: Ich erkenne glaube ich sogar die Viertel von Jerusalem.

Adrian: Drei gleich geformte und gleich große Rahmen.

Özdemir: Ein Triptychon.

Adrian: Diese schwarzen Striche scheinen sich von den Straßen abzuheben.

Özdemir: Sie scheinen keinen Ort anzugeben.

Unter den Zeichnungen entdeckt er schließlich einige Zahlen und Symbole.

 

 

Adrian: Ein Code?

Özdemir: Ich bin ebenso verblüfft wie du!

Adrian sieht sich in der Zelle weiter um und entdeckt rechts unterhalb des Fensters schließlich einen leeren Vogelkäfig.

Özdemir: Hayyat hat einen Vogel gezähmt, welchen er bei seiner Flucht dann auch befreit hat.

Ehe er die Zelle verlässt, sucht Adrian noch nach einem Indiz, wie es Gefangenen Hayyat gelungen sein könnte, seinem Gefängnis zu entfliehen. Er tastet den Türrahmen ab und kommt zu der Erkenntnis, dass die Tür nicht aufgebrochen wurde. Dies bringt ihn und Özdemir zu dem Schluss, dass der Gefangene einen Helfershelfer gehabt haben muss: Das Schloss wurde nicht aufgebrochen.

Özdemir: Entweder ist unser Schwärmer ein glänzender Schlossknacker, oder er versuchte sein Glück, als die Tür kurz auf war – oder es hat ihm jemand aufgemacht.

Da Adrian hier nicht weiter kommt, und er darüber hinaus etwas über die Zahlen und Symbole unter den Wandfresken in der Gefängniszelle in Erfahrung bringen möchte, beschließt er dem Sufi, dem Schriftgelehrten, von dem der Statthalter sprach, in der Bibliothek einen Besuch abzustatten. Er nutzt die Gelegenheit und fragt den Mann zu allen ihm auf der Seele brennenden Themen aus. Im Gespräch erfährt er zugleich vieles über den Islam und dessen Sitten und Gebräuche.

 

Sufi: Tritt ein, Dhimmy!

Adrian: Dhimmy?

Sufi: Fremder, wenn Dir das lieber ist. Verwirrter wäre genauer.

Adrian: Verwirrter.

Sufi: Du bist ein Fremder, denn du bist nicht von hier. Und du bist verwirrt, denn du erkennst Mohammed nicht als Propheten Allahs an. Dennoch bist du nicht verdammt, denn du betest zu Allah, wenngleich du ihn anders nennst.

Adrian: Wer in dieser Stadt ist Dhimmy?

Sufi: Dhimmy sind die Schriftübersetzer, die gleich den Moslems an einen einzigen Gott glauben, den sie Jahwe oder Gottvater nennen. Wenn sie die Gisia, eine spezielle Kopfsteuer zahlen, dann erhalten sie Schutz und haben das Recht, ihren Glauben auszuüben, vorausgesetzt, dass sie vom Bekehrungseifer Abstand nehmen. In Jerusalem leben jüdische, westlich-orthodoxe, römisch-katholische und  armenisch-gregorianische Dhimmy. Ich glaube mehr gibt es nicht. Aber das reicht, um das Leben ab und zu etwas kompliziert zu machen.

 

Adrian: Kennst du Hykmah gut?

Sufi: Hykmah? Ja. Ein junges Mädchen, ebenso viel Glauben wie Herz, anspruchsvoll, leidenschaftlich auch lustig. Sie hat viel Geist, fast zu viel für ein Mädchen. Gerade so viel wie die Tochter eines Statthalters braucht. Wir waren Freunde. Ihr Vater spornte sie an, sich hier durch meine Lehre zu bilden.

Der Sufi kann Adrian eine Reihe wichtiger Details über Hayyat, den Gefangenen berichten, für den der Schriftgelehrte sogar bewundernde Worte findet. Hayyat war ein außergewöhnlicher Gefangener, gebildet und hochintelligent.

Adrian: Hattest Du Gelegenheit, mit dem Gefangenen zu sprechen?

Adrian erfährt, dass der Gefangene Besuch von vielen hochgestellten Persönlichkeiten empfing, und dass ihm außergewöhnliche Privilegien gewährt wurden.

Sufi: Ja, er ist ein Mann voller Paradoxe: manchmal weise, manchmal wie ein Patriarch, manchmal verrückt wie ein Kind – eine komplexe Persönlichkeit. Aber er verstand es, die Liebe anderer zu erheischen – selbst die seiner Kerkermeister – und er erhielt Besuch, von Hykmah zum Beispiel. Ich spiele Schach mit ihm: ein furchtbarer Gegner!

Adrian: Hast Du herausbekommen, welchen Glauben er hat, und warum er sich für den Dolch interessierte?

Sufi: Eine schwierige Frage! Er scheint mir von einem einzigen Willen belebt: aufzuzeigen, was die drei Religionen des Bogs vereint!

Adrian: Wie liefen eure Schachpartien ab?

Sufi: Durch das Zellengitter. Wir hatten ausgemacht, dass ich ihm nach jedem Sieg seinerseits ein Buch bringen würde. Er las in letzter Zeit sehr sehr viel. Und dann wollte er, dass ich ihm Sachen zum Malen und Schreibens besorgte.

Adrian: Welche Bücher wollte er?

Sufi: Das Traktat der Zoologie von Ibn al Assim, das Traktat der Optik von Al Haytan, das Buch der Hundert Tore von Isaak Tschanin, den Pastor von Hermas und sogar eine Tafel zur Umrechnung der Zeitrechnung.

Der Sufi erzählt ihm von einer Zeitrechnungstafel... das ist genau das, was Adrian sucht. Zeigten nicht die Symbole unter den Zeichnungen in der Gefängniszelle auch Jahreszahlen nach hebräischer und islamischer Zeitrechnung. Dieser Gegenstand würde im sicher noch von Nutzen sein.

Adrian: Kannst Du mir die Zeitrechnungstafel zeigen?

Sufi: Sie ist irgendwo auf diesem Regal. Es ist ein großer Band mit einem lateinischen Titel.

Adrian wirft einen Blick links auf das Regal, das ihm der Sufi zeigt, und kann tatsächlich die Kalendertafel in seinen Besitz bringen.

Adrian: Kannst Du mir über das Alphabet der Araber und der Hebräer erzählen?

Sufi: Die Buchstaben sind heilige Zeichen, und Gott hat sie benutzt, um sein Gesetz an die Menschen weiterzugeben. Symbolisch gesehen besitzen sie also einen Teil seiner Macht. Manche Mystiker ordnen sie auch Zahlen bei. Aber zu diesem Thema gibt es gelehrtere Personen als mich. Ich denke an Yussef Al Bakri, den Kalligraphen. Er arbeitet oft in den Gärten.

Adrian: Erzähle mir von Mohammed!

Sufi: Unser Prophet - Allah segne ihn – wurde im Jahre 570 der nazarenischen Ära geboren. Er war ein einfacher Kameltreiber, dem der Engel Gabriel die Mission gab, der letzte Prophet Gottes zu sein. Mohammed diktierte den Koran unter göttlicher Eingebung und bekehrte die ganze arabische Halbinsel vom Götzenglauben zum Glauben Allahs. Nach seinem Tode im Jahre 632 trugen die Kalifen das Feuer der Offenbarung bis nach Andalusien und Persien. Aber das ist eine andere Geschichte. Dhimmy, du scheinst geduldig und schlau. Ich zweifle nicht daran, dass du das, was du suchst, findest – zumindest eines Tages.

Da er unter den Wandfresken in der Gefängniszelle auch einige arabische Schriftzeichen entdeckt hat, beschließt Adrian, dem Kalligraphen einen Besuch abzustatten. Er begibt sich also in die Gärten des Palastes.

 

Adrian folgt dem Weg durch den Torbogen und trifft dort auf den Gelehrten der Schriften: Ich grüße euch Meister.

Kalligraph Yussef Al Bakri: Du bist sicher der nazarenische Übersetzer. Ich habe von dir gehört. Kann ich dir in irgendeiner Weise helfen?

Adrian: Könnt ihr mir über das Alphabet der Hebräer und der Araber etwas erzählen?

Kalligraph: Die Buchstaben sind Energie. Sie sind eher Werte und Eigenschaften als bloße Schriftzeichen. Aber das gilt auch für das Alphabet, das ihr Rumi verwendet.

Adrian: Ihr sagtet, dass die Buchstaben auch Werte sind – könnt ihr mir das erklären?

Kalligraph: Die Hebräer waren es, die die Kunst dieser Assoziationen zur Perfektion gebracht haben. Sie nennen sie Kabbala und sie ist äußerst komplex. Denn sie ist der Schlüssel zu einer tiefen sinnreichen Versenkung. Jeder Buchstabe wird dabei in seiner Stellung im Alphabet assoziiert. Ich habe eine Tafel, auf der diese Assoziationen angegeben sind. Ich zeig’ sie dir.

 

Adrian erhält eine Alphabettafel, die ihm bei der Entschlüsselung der Codes im Gefängnis sicher gute Dienste leisten wird.

Anschließend versucht unser Held etwas mehr über die Kalligraphie und über den Gefangenen Hayyat in Erfahrung zu bringen: Könnt’ ihr mir etwas über eure Kunst erzählen?

Kalligraph: Die Tradition besagt, dass der Kalam, der Stifter der Kalligraphie, der erste von Allah geschaffene Gegenstand ist. Wer den Kalam gemäß den Regeln der Proportion beherrscht, ist in gewisser Weise in Gottes Geheimnisse eingeweiht.

Adrian: Hattet Ihr Gelegenheit, den Verrückten, der ausgebrochen ist, zu treffen?

Kalligraph: Nein. Aber ich glaube, seltsamerweise hat er viel Besuch erhalten, von Ibrahim, dem Sufi, Isa Al Gawri und besonders von Hykmah, der Tochter des Statthalters, Allah schütze sie. Adrian erfährt auch etwas über die Rivalität, die zwischen dem Sufi und dem Kalligraphen besteht. Der Kalligraph kann es dem Schriftgelehrten nicht verzeihen, dass dieser ihn ständig beim Schachspiel schlägt.

Adrian: Kennt ihr den ehrwürdigen Sufi, der in der Bibliothek studiert? Adrian erfährt, dass sich der Kalligraph nicht besonders gut mit dem Sufi versteht, da dieser ihm ständig beim Schachspiel überlegen ist.

Kalligraph: Isa Al Gawri? Erwähne seinen Namen nicht, weder heute noch morgen, nie!

Adrian: Sie verstehen sich nicht gut miteinander?

Kalligraph: Uns nicht gut verstehen? Ha! Am Tag, an dem es mir endlich gelingt, ihn im Schach zu schlagen, werde ich ihm vielleicht verzeihen, so intelligent zu sein.

Adrian: Wisst Ihr, dass der Verrückte auf der Wand seiner Zelle eine seltsame Zeichnung hinterlassen hat?

Kalligraph: Ja, ich hab’s gesehen. Das ist nichts, auf jeden Fall keine Kunst!

Jetzt hat unser Held alles, was er benötigt, um die Codes unter den Wandfresken im Gefängnis zu dechiffrieren. Er begibt sich also zurück ins Gefängnis und sieht sich erneut die Zahlen- und Buchstabencodes an:

 

1. Wandzeichnung: Buchstabe 1 und 5 des christlichen Alphabets; 3804 der hebräischen Zeitrechnung entspricht der Zahl 44 in der christlichen Zeitrechnung. Der erste Code lautet also: 1-5-4-4); das Symbol ist ein Kreuz, also geht es um das Christentum.
2. Wandzeichnung: Das Symbol bedeutet 2 im islamischen Alphabet, die hebräische Zahl 4553 entspricht 177 im christlichen Kalender. Der zweite Code lautet also: 2-1-7-7; das Symbol ist die Mondsichel, also geht es um den Islam.
3. Wandzeichnung:

Die Die erste Zahl fehlt, also 0, die nächsten Zeichen sind 2 und 6, es folgt die Zahl 6.

Der dritte Code lautet demzufolge: 0-2-6-6; das voran stehende Symbol ist ein Davidsstern, also geht es um das Judentum.

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2)   Mit diesen Erkenntnissen begibt sich Adrian zurück in die Bibliothek zum Sufi, dem Schriftgelehrten. Diesen bittet er, ihm einige Bücher zu bringen: Ich habe vielleicht etwas entdeckt, aber ich muss zuerst in einigen Büchern nachschlagen!

Sufi: Sicher doch, in welchen Büchern willst du nachschlagen?

Als erstes zeigt Adrian auf den Koran. Der Sufi bittet ihn, sich genauer auszudrücken.

Sufi: Der Koran besteht aus 111 Suren, mein Freund! Möchtest Du eine ganz bestimmte lesen? (Adrian stellt den zweiten Code ein: 2-1-7-7. Dazu mit der gedrückten Maus die Zahlen nach oben bzw. nach unten ziehen)

Er erhält das entsprechende Buch und wirft einen Blick darauf. (Koran – 2. Sure 177... Jener ist gerecht, der an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und an die Engel und an die Schrift und die Propheten; der voll Liebe von seinem Vermögen gibt: den Verwandten, Waisen und Armen und den Pilgern, überhaupt jedem, der darum bittet, der Gefangene löst, das Gebet verrichtet, Almosen spendet; der an geschlossenen Verträgen festhält, der geduldig Not und Unglück und standhaft die Schrecken des Krieges erträgt. Dieser ist gerecht: Er ist wahrhaft gottesfürchtig. Hier geht es eindeutig um den Glauben. Dann bittet Adrian den Sufi, ihm die Thora zu bringen.

Auch hier verlangt der Schriftgelehrte genauere Angaben, da man es immerhin mit 5 Büchern zu tun hat.

Sufi: Die Thora? Das ist ein Sammelbegriff für die fünf Bucher Moses: die Genesis, der Exodus, der Leviticus, die Numeri und das Deuteronomium. Du musst eine genaue Idee von dem haben, was du suchst. (Adrian stellt den dritten Code ein: 0-2-6-6) Der Kalligraph bringt ihm das entsprechende Buch, und Adrian beginnt zu lesen: (Exodus – 6,6: ... Ich bin Jahwe. Ich führe euch aus dem Frondienst für die Ägypter heraus und rette euch aus der Sklaverei... Die Hoffnung....) Der Sufi bringt die wesentlichen Sätze dieses Abschnitts der Thora auf den Punkt: Die Hoffnung, das Herz des Bundes zwischen den Hebräern und ihrem Gott Jahwe.

Als letzten verlangt Adrian einen Blick auf die Evangelien zu werfen. Auch hier verlangt der Schriftgelehrte, dass Adrian seinen Wunsch spezifiziert: Die Evangelien? Von welchem sprichst du: von dem nach Matthäus, nach Markus, nach Lukas oder nach Johannes?

(Adrian stellt den ersten Code ein: 1-5-4-4) Der Kalligraph bringt ihm den gewünschten Band. (Das Evangelium nach Matthäus – 6,44 und 6,45: Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet ....

Die Liebe, ... die größte der Gaben, die Gott den Menschen gewährte.)

Sufi: Die Liebe! Die größte aller Gaben, die Gott den Menschen gelehrt hat – auch die schwierigste und anspruchsvollste!

 

 

Der Schriftgelehrte fasst das, was Adrian beim Studium der Schriften herausgefunden hat, in wenigen Worten treffend zusammen: Ich kenne im Koran keine bessere Art, Glaube zu definieren. Also folglich Glaube, Hoffnung, Liebe. Das sind was die Christen die drei Kardinaltugenden nennen. Sie sind allen drei Religionen eigen. Siehst du, Hayyat macht zwar verrückt sein, doch er kennt und beherrscht die Vielfalt der Schriften.

Adrian kehrt zurück in die Gefängniszelle und teilt Özdemir das Ergebnis seiner Studien mit:

Sieh Dir die Wörter an: Glaube, Hoffnung und Liebe. Ja doch, wir haben drei Rahmen, drei Karten  und drei Wörter. Ich frage mich, ob man diese Wörter nicht irgendwie über die Karten schreiben muss. Da Adrian sich mit Schönschrift jedoch nicht gerade gut auskennt, begibt er sich erneut in die Gärten, um dort beim Kalligraphen Rat zu suchen:

Ich glaube, dass uns Euer Talent bei unserer Suche weiter helfen könnte. Könnt’ Ihr auf eine Wand Zeichen malen?

Kalligraph: Ich würde alles Mögliche tun, um dem Statthalter gefällig zu sein und ihm bei der Suche nach seiner Tochter zu helfen. Doch ich sehe aus der Ferne ganz schlecht, und ich habe  meine Brille verlegt. Ohne sie bin ich keine große Hilfe für Dich. Da der Kalligraph ohne seine Brille leider nicht in der Lage ist, ihm zu helfen, macht sich Adrian auf die Suche nach dem verschwundenen Gegenstand.

Adrian schlendert durch den Garten. Zunächst einmal geht er durch den Torbogen zurück, wendet sich dann nach links, wo er ein mit Wasser gefülltes Becken findet. Davor entdeckt er einen „gespaltenen Ast“, den er natürlich sofort einsteckt.

 

 

Auf seinem Weg durch den Garten (durch den Bogen zurück zum Kalligraphen, dann nach rechts bis hin zu einem Baum mit Blick auf eine Mauer, auf der Wachen postiert sind) entdeckt Adrian schließlich ein Elsternnest hoch oben in einem Baum. Vielleicht hat der diebische Vogel die Brille des Kalligraphen gestohlen. Adrian nimmt den „gespaltenen Ast“ aus seinem Gepäck und holt damit das Nest aus dem Baum. Tatsächlich befindet sich darin die gesuchte Brille. Adrian setzt das Nest zurück in den Baum (geschieht automatisch) und kehrt mit dem Gegenstand zurück zum Kalligraphen: Ich habe Eure Brille wieder gefunden. Wir können jetzt in die Zelle gehen. Jetzt ist der Mann bereit, ihm in die Gefängniszelle zu folgen. Als sie das Gefängnis betreten, sehen sie Hayyats Vogel zurückkehren und im Käfig Platz nehmen. Adrian bittet den Kalligraphen sich die Wandfresken genau anzusehen, doch der Kalligraph ist zunächst keine große Hilfe.

Adrian: An was erinnert Euch dieses Triptychon?

Kalligraph: An nichts!

Adrian: Diese 3 Ziertitel beziehen sich auf die 3 Kardinaltugenden der 3 Religionen.

Kalligraph: Das sind Sachen für einen heiligen Mann nicht für einen Kalligraphen.

Adrian: Erkennt ihr etwas auf diesen Karten?

Kalligraph: Nein.

Adrian: Was sagen Euch diese Wege?

Kalligraph: Das unser Mann seinen Strich ganz und gar nicht beherrscht!

Adrian: Könnt ihr die Worte  Glaube, Hoffnung, Liebe in diese Rahmen zeichnen?

Kalligraph: Wo? Die Rahmen sind groß!

Adrian: Meint Ihr, dass diese Striche eine Bedeutung haben?

Kalligraph: Für mich könnten das genauso gut Punkte sein.

Erst als Adrian ihm ein wenig auf die Sprünge hilft, ist der Mann in der Lage, etwas zu erkennen:  Indem ihr am Anfang der Striche anfangt und am Ende der Striche aufhört.

Kalligraph: So, so. Ach ja. Ich glaube Du hast Recht. Sieht so aus, als ob es reinpasst.

Adrian: Bis hierhin scheint alles logisch. Doch der Strich eines jeden Wortes könnte etwa 10 verschiedene Orte bedeuten. Ein Indiz fehlt noch.

Özdemir: Ein Element fehlt, das ist sicher. Aber wir sind nicht weit von der Lösung entfernt.

Da unser Held hier offensichtlich in eine Sackgasse gelangt ist, sieht er sich nochmals an Ort und Stelle um. Plötzlich fällt sein Blick auf den Vogel. Özdemir hat bereits entdeckt, dass der Hayyats Vogel etwas mitgebracht hat: Hayyats Freundin ist zurückgekommen. Am Fuß des Vogels hängt etwas.

 

Adrian wirft einen genauen Blick auf den Fuß des Vogels und bemerkt, dass ein Schriftstück daran befestigt ist. Er nimmt die Schriftrolle an sich und zeigt sie dem Kalligraphen. Das Schriftstück weist 3 Tafeln mit jeweils einem Kreuz an drei verschiedenen Orten auf.

 

Adrian bittet nun den Kalligraphen, die Kreuze auf die Wandzeichnung zu übertragen: Bitte markiert nun die Wörter, die ihr soeben in die Rahmen gezeichnet habt, mit diesen Kreuzen. Als er abschließend einen Blick auf die vervollständigten Wandfresken wirft stellt er zu seiner Überraschung fest, dass die Striche die Wörter nur an einer Stelle kreuzen. Sollte dies eine besondere Stelle sein?

 

Rat suchend wendet sich Adrian an Özdemir  (jeweils auf einen Kartenteil klicken) und erfährt wichtige Neuigkeiten: Die Medrese Tankkiziyya, eine unserer bedeutendsten Koranschulen in Jerusalem; (Kartenteil links) die Grabeskirche, der Ort an dem Marias Sohn nach seiner Marter begraben wurde (Kartenteil Mitte). Die Stelle zeigt die Ramban-Synagoge an (Kartenteil rechts). Özdemir beschließt, dem Statthalter von den Erkenntnissen, die sie gewonnen haben, Mitteilung zu machen: Es ist Zeit, den Statthalter zu benachrichtigen.

 

Automatisch gelangt man in den Ratssaal, wo dem Statthalter Bericht erstattet wird.

Özdemir: Statthalter, mein Sekretär hat das Rätsel gelöst. Der Verrückte hat uns drei Orte in Jerusalem angegeben. Ich fürchte, wir befinden uns nur am Anfang eines langen Suchspiels.

Nach diesen ersten Erfolgen hofft der Statthalter, dass Adrian in der Lage sein wird, seine Problem für ihn zu lösen und legt sein Schicksal in Adrians Hände: Du scheinst scharfsinnig zu sein, Sekretär. Eigentlich gehe ich ein Risiko ein, doch ich vertraue dir. Folge den Zeichen, erforsche sie. Suche alles ab. Meine Ehre als Statthalter liegt in deinen Händen. Finde den Dolch Abrahams und bringe mir vor allen Dingen das zurück, was tausendmal wertvoller als alle Titel und Verantwortung ist: meine Tochter Hykmah.

Bevor sich die Freunde trennen, möchte Özdemir etwas über Adrians eigentlichen Grund für seine Anwesenheit hier in Jerusalem wissen: Sag, Adrian, was suchst Du eigentlich in dieser Wüste?

Adrian: Eine Frau, die ich verloren habe

Özdemir: Und nun bist du auf der Suche nach einer anderen, die auch verschwunden ist? Allah will dir etwas sagen.

Adrian: Ich befürchte, dies verstanden zu haben.

 

Ehe sich Adrian an die drei auf den Kartenteilen benannten Orte begibt, bittet ihn Özdemir noch darum, umsichtig vorzugehen und auf sich aufzupassen. Des Weiteren überreicht er Adrian einen Stadtplan und etwas Geld, damit er sich besser zurechtfindet: Verwechsle Schnelligkeit nicht mit Überstürzung! Hier ein paar Münzen und ein Stadtplan, damit du dich zurechtfindest. Vergiss’ nicht zurück zu kehren, wenn du begriffen hast, was Hayyat im Schilde führt und sei vor allen Dingen vorsichtig

Adrian: Was kann mir schon passieren. Ich bin auf dem Pfad des Glaubens.

Özdemir: Sei umso vorsichtiger, denn dort schnappt Satan immer am schnellsten zu.

 

Adrian beschließt, zuerst der Koranschule, Medrese Tankkiziyya, einen Besuch abzustatten (auf der Karte anwählen). Von weitem schon sieht er einen Jungen, der verzweifelt versucht, einen Schriftzug von einer Wand zu entfernen. Der Iman Abd El Wahid spornt den Jungen an, sein Bestes zu versuchen: Stärker mein Junge, stärker.

Junge: Ich schrubbe so stark ich kann, aber es geht nicht weg.

Abd El Wahid: Mach’ Seife drauf! Geh ran, geh ran!

Ein Gläubiger mischt sich ein: Frevler seid ihr, Frevler! Ihr seid nicht mehr wert als die Dhimmy! Gottes eigenstes Wort wollt ihr wegwischen!

Adrian spricht den Iman an und versucht in Erfahrung zu bringen, welches Problem den Hüter der Koranschule beunruhigt: Entschuldigt, ich suche den Scheich der Medrese.

Abd El Wahid: Das bin ich. Ich bin der Iman Abd El Wahid. Was willst du Fremder?

Adrian: Was soll dieser junge Bursche tun?

Abd El Wahid: Das Wort Glaube erschien heute Morgen auf dieser Mauer. Anscheinend kann man es nicht wegwischen. Wenn wir es nicht wegbekommen, dann wird sich in Windeseile das Gerücht verbreiten, dass es sich um ein Wunder handelt. In letzter Zeit ist schon genügend passiert, und ich glaube nicht, dass jetzt der Moment ist, unsere Mitbürger noch mehr zu beunruhigen. Adrian bietet seine Hilfe in der Angelegenheit an: Wisst ihr, dass dasselbe Wort an zwei anderen Orten der Stadt erschienen ist. Ich glaube nicht, dass dies mehr als Ausdruck von menschlichem Willen ist. Erlaubt mir, dass auch ich versuche, das Wort wegzuwischen.

Abd El Wahid: Wenn es dir gelingt, wäre ich dir überaus dankbar, junger Mann.

Zunächst einmal wendet sich Adrian an den Burschen, der verzweifelt die Wand bearbeitet: Was machst du da, Kleiner

Junge: Der Iman Abd El Wahid will nicht, dass das Wort hier auf der Mauer stehen bleibt. Ich tue, was ich kann. Aber ich bekomme es einfach nicht weg. Mein Lappen ist voller Farbe, dennoch... Der Junge zeigt Adrian den Lappen. Unser Held kann jedoch darauf keinerlei Farbe erkennen. Also sieht er sich an Ort und Stelle einmal genauer um. Sein Blick fällt auf eine Lampe, die über dem Schriftzug an der Wand befestigt ist. Schnell begreift er, dass das Sonnenlicht auf die Linse der Lampe trifft und den dort aufgemalten Schriftzug auf die Wand reflektiert. Adrian nimmt also den „gespaltenen Ast“ aus seinem Gepäck zu Hilfe und nimmt damit die Lampe von der Wand, worauf der Schriftzug verschwindet: Sehr, wir haben es mit einem sehr begabten Erfinder zu tun, der eine Strategie hat. Das Sonnenlicht wird durch dieses System gezielt in eine Richtung gelenkt, damit es die Form des Wortes „Glauben“ trifft, welches zuvor auf die Linse gemalt wurde. Dadurch wird dessen Schatten auf die Mauer projiziert, und deshalb konnte man es nicht wegwischen. Nachdem sich das Problem nun in Wohlgefallen aufgelöst hat, ist der Iman nur allzu gern bereit, alle Fragen unseres Helden umfassend zu beantworten. Adrian darf die Koranschule betreten und ist in der Lage seine Kenntnisse über den Islam weiter zu vervollständigen. Des gleichen erfährt er etwas mehr über Hayyat, den ausgebrochenen Gefangenen.

Abd El Wahid: Dem gesunden praktischen Menschenverstand sei gedankt aber auch der Weisheit, Fremder. Ich bin der Iman Abd El Wahid. Entschuldige meine Neugier, aber bist du nicht der Übersetzer, der in Begleitung  unseres ehrwürdigen Tschavusch kam?

Adrian: Ich bin überrascht, dass ihr mich so schnell erkanntet.

Abd El Wahid: Jerusalem ist eine sehr kleine Stadt und alles, was mit dem Diwan zu tun hat, füllt unsere Gespräche. Was führt dich zu unserer Koranschule?

Adrian: Der Statthalter hat mich damit beauftragt, einen gefährlichen Mann wieder zu finden.

Abd El Wahid: Die ganze Stadt spricht davon. Allah in seiner großen Gnade stehe mir bei, auf  ich dir bei deiner Suche helfen kann. Dieser Hayyat hat mir nie gefallen.

Adrian: Kanntet ihr Hayyat?

Abd El Wahid: Na sicher doch. Jeder gläubige Jude, Christ oder Moslem, der die zwei letzten Jahreszeiten in Jerusalem verbracht hat. Ich glaube, dass er uns alle früher oder später mal besucht hat.

Adrian: Was wollte er?

Abd El Wahid: Uns zu einer Religion bekehren, die Juden, Christen sowie die Anhänger des Propheten Mohammed vereinen würde. Er sagte, die Zeit sei gekommen, dass sich die Söhne Abrahams endlich als Brüder wieder erkennen.

Adrian: Dieser Mann hat an drei Orten der Stadt eine Botschaft hinterlassen. Einer dieser Orte ist die Medrese Tankkiziyya. Warum könnte dieser Ort von Interesse für ihn sein?

Abd El Wahid: Unsere Medrese ist eine der bedeutendsten Koranschulen Jerusalems. Sie ist ein Ort des Studiums und des Willkommens. Viele Personen sind hier tätig.

Adrian: Ich weiß, dass ich als Dhimmy die Moscheen des Reichs nicht betreten darf. Aber darf ich eine Medrese betreten?

Abd El Wahid: Koranschulen sind keine Kultstätten, obwohl man hier das heilige Buch des Korans studiert. Folge mir!

Adrian betritt in Begleitung des Iman die Koranschule.

Er blickt sich an Ort und Stelle um. Linker- und rechterhand bemerkt er zwei Männer, die in das Lesen und Kopieren von Büchern vertieft sind. (jeweils anklicken)

Adrian: Ist das der Koran?

Abd El Wahid: Ja unsere Schreiber kopieren die heiligen Schriften für reiche Leute aber auch für weniger wohlhabende.

Adrian: Die Kenntnis des Textes der Offenbarung ist also keineswegs nur den Gottesmännern vorbehalten?

Abd El Wahid: Jeder Moslem ist ein Gottesmann, mein Freund.  Im Gegensatz zum Christentum ist der Islam nicht in Form einer Kirche organisiert, deren Vertreter das Privileg einer direkten Beziehung zum Allmächtigen haben.

Adrian (wendet sich dem anderen Schreiber zu): Das ist kein heiliges Buch!

Abd El Wahid: Nein, das ist das Traktat der Medizin von Ibn Al Sa’adi. Wir kopieren und studieren auch viele naturwissenschaftliche und geschichtliche Bücher. Hat Mohammed nicht selbst zu seinen Anhängern gesagt, sie sollen das Wissen selbst auch China holen.

In diesem Augenblick hört man den Muezzin zum Gebet rufen.

Adrian will mehr darüber wissen: Welche Stellung hat das Gebet in der islamischen Religion?

Abd El Wahid: Unser Prophet nannte das Gebet den Augapfel des Glaubens. Du siehst also, dass er diesem Bekenntnis der Inbrunst eine ganz besondere Bedeutung gab. Es ist sogar eine der Säulen des Islam.

Adrian: Die Säulen des Islam?

Abd El Wahid: Die Moslems müssen fünf Hauptpflichten erfüllen, um ihren Glauben an Allah zu bezeugen. Das Glaubensbekenntnis genannt Schahada, das Gebet, das Almosen geben, das Fasten und die Pilgerfahrt nach Mekka. Diese Handlungen unterscheiden die Moslems von den Ungläubigen.

Adrian: Was ist die Schahada?

Abd El Wahid: Es gibt keinen Gott außer Allah und  Mohammed ist sein Prophet.  Diese Formel betont die Einzigartigkeit Allahs und die prophetische Mission Mohammeds. Spricht man die Schahada voller Frömmigkeit, Wahrhaftigkeit und Inbrunst aus, ist man bereits ein Moslem.

Adrian: Warum ist Mekka für den Islam wichtiger als Jerusalem?

Abd El Wahid: In Jerusalem stieg Mohammed in der Nacht des Mi’raj in den Himmel auf. Aber Mekka ist die heilige Stadt des Islam, weil der Prophet dort zu predigen begann, und weil sich dort auch die Kaaba befindet, die Kultstätte, die Abraham und Ismael auf Geheiß Gottes gebaut haben. Deswegen richten wir unseren Blick beim Gebet Richtung Mekka und müssen mindestens einmal in unserem Leben eine Pilgerfahrt genannt Hadsch in diese Stadt machen.

Adrian: Ist es nicht gefährlich, sich zurzeit auf den Hadsch zu begeben? Die Straßen des Reichs scheinen nicht sicher. Der Tschavusch Özdemir und ich haben vor kurzem  selbst die Erfahrung gemacht.

Abd El Wahid: Es gibt Beduinenstämme, die sich der Autorität des Reiches entziehen. Sie überfallen und erpressen Pilgerkarawanen. Das war schon immer so.  Doch das vorzügliche Privileg, die rechte Hand Allahs zu berühren, ist dieses Risiko wert, oder nicht?

Adrian: Die rechte Hand Allahs?

Abd El Wahid: Das ist der heilige Stein in der Kaaba, die wiederum den himmlischen Pakt symbolisiert, den Gott mit den Menschen schloss. Ursprünglich war dieser Stein weißer als Schnee. Doch durch das ständige Berühren haben ihn die Pilger  mit ihren Sünden beschmutzt, und er wurde dunkler als die Nacht.

Der Hüter der Koranschule verabschiedet sich, da er seinen religiösen Pflichten nachkommen muss, versichert Adrian jedoch, dass er jederzeit bereit ist, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen: Ich muss dich jetzt verlassen, denn ich muss meine Waschungen unternehmen, damit mein Körper beim Gebet auch so rein wie meine Seele ist. Wenn ich dir bei deiner Suche helfen kann, dann komme wieder. Ich liebe es, Fremde in die Herrlichkeit unseres Glaubens einzuweisen.
Adrian gelangt durch die Tür zurück in den Innenhof. Dort befindet sich ein Wasserbecken, wo er mit einem Eimer etwas Wasser schöpfen kann. Des gleichen kann er das Stück Tuch auf der Brüstung einstecken. Nachdem dies geschehen ist, wendet sich Adrian nach links, betritt einen Gang und gelangt erneut auf die Karte.

Dieses Mal begibt er sich zur Ramban-Synagoge.

Auf dem Weg zu dem Platz vor sich, dreht er sich zurück und wirft einen Blick nach rechts. Dort auf dem Boden entdeckt er ein Nähetui. Dieses steckt er ein, geht geradeaus weiter und wendet sich dann nach links zu den beiden Rabbinern Kalonymos und Isaak, die neben einem auf den Boden gemalten Kreis stehen. Sie scheinen sehr beunruhigt, und Adrian spricht sie an, um den Grund ihrer Besorgnis zu erfahren: Weiser Rabbi, was ist der Grund Eurer Besorgnis?

Rabbi Kalonymos: Dieses Zeichen da im Sand vor der Synagoge.

Adrian: Das Wort Glaube?

Der Rabbi Isaak ist verwundert über Adrians Kenntnisse: Liest er hebräisch?

Adrian: Ja. Warum stört Euch dieses Wort?

Rabbi Kalonymos: Das Wort selbst ist wunderbar! Aber die Absicht desjenigen, der es aufgezeichnet hat, beunruhigt uns. Unsere Gemeinschaft ist unglücklicherweise oftmals Opfer des Spotts der Moslems.

Rabbi Isaak:  Und wir haben Angst, dass bald ein unangenehmeres Wort als dieses erscheinen wird, wenn wir nichts unternehmen.

Adrian: Na, dann wischt es weg.

Rabbi Kalonymos: Das können wir nicht. Und das ist es ja gerade, was uns an einen bösen Streich glauben lässt. Heute ist Sabbat.

Adrian: Sabbat?

Rabbi Kalonymos: Das ist der letzte Tag der Woche, an dem wir Juden jede häusliche Tätigkeit unterlassen müssen, um uns auf die alleinige Lobpreisung des Herrn zu konzentrieren.

Rabbi Isaak: Wir können also weder den Boden kehren noch eine andere Arbeit verrichten.

Adrian bietet seine Hilfe an: Es wäre mir eine Freude, Euch diesen Dienst zu erweisen.

Rabbi Kalonymos: Danke, junger Freund. Sollten Euch unsere Sitten seltsam erscheinen, so bedenkt, dass wir keine Gesetze befolgen, um dann Ungläubige anzustacheln, sie unserer Bequemlichkeit halber wieder zu brechen. Gott selbst sollte mit seinem Atem den Boden reinigen. Aber es ist nicht gut, die Gunst des Allmächtigen für solch’ eitle Dinge zu erbitten.

Adrian sieht sich vor einem schwierigen Problem. Zum einen würden die Männer seine Hilfe gerne annehmen, zum anderen jedoch darf es nach außen hin nicht so aussehen, als wenn ein normaler Sterblicher das Problem beseitigt hätte. Hilfe suchend blickt er sich um und bemerkt einen Mann in einem gelben Gewand, der rechts vom Eingang vor seinem Geschäft steht. Er spricht diesen an und erfährt, dass nicht alle Juden derartige Probleme so engstirnig sehen, weil sie im täglichen Kleinkrieg mit den Moslems genügend Sorgen haben: Guten Tag mein Freund, habt Ihr Euch um das Problem gekümmert, dass Eurer Gemeinschaft Sorge macht?

Mann im gelben Gewand: Mmh, dieses Zeichen am Boden. Och, wenn es nach mir ginge, wäre es schon lange weggewischt. Die Moslems quälen uns schon genug, als dass ich mich auch noch am Sabbat stören ließe.

Adrian: Leidet ihr in Jerusalem so sehr unter den Moslems?

Mann: Na, das ist eine schwierige Frage. Manche sehen in Dhimmi Opfer, das sie je nach Lust und Laune quälen können. Doch der Statthalter ist ein gerechter Mann. Er hat in Angelegenheiten, in denen wir den Moslems gegenüber standen, schon mehrere Urteile zu unseren Gunsten gefällt. Auch achtet er sehr darauf, dass bei der Steuereinziehung alles korrekt abläuft, und wir dabei nicht ausgenutzt werden. Nein, das Problem kommt vielmehr von einzelnen, brutalen und rauhen Individuen.

Adrian: Und wenn wir das Zeichen wegbekommen?

Mann: Hast Du eine Idee? Ich kann dir nur mit meinem Ratschlag helfen.

Adrian: Der Rabbi wünschte, dass der Atem Gottes das Zeichen wegbläst.

Mann: Oh, der Wind bläst heute kräftig ... aber nur über die Dächer.

Die Äußerung des Mannes bringt Adrian auf eine Idee: Und wenn wir nun diesen Weg nutzen?

Mann: Befiehlst Du über die Winde, Fremder?

Vielleicht könnte er ja eine Windfalle bauen, mit deren Hilfe das Zeichen im Sand weggeblasen werden könnte. Er sieht sich um und beschafft sich einige Reifen, Segeltuch, welche er mit Hilfe des Nähzeugs miteinander verbindet. Zunächst einmal bittet er den Mann um die Reifen seiner Fässer und das Segeltuch von seinem Vordach. Dann geht er über den Platz zu einer Gruppe von drei Männern, in deren Nähe ein weiterer Ballen Tuch liegt. Diesen steckt er ebenfalls ein. Im Inventar kombiniert er dann das Segeltuch vom Vordach mit den Reifen, dieses verbindet er mit dem 2. Stoffballen und wendet schließlich das Nähzeug darauf an. Mit dieser Konstruktion begibt er sich zum Kreis auf dem Boden.

Adrian: Kannst Du mir bitte die Reifen deiner Fässer leihen?

Mann: Wenn du willst, aber...!

Adrian: Auch bräuchte ich das Segeltuch von deinem Vordach!

Mann: Was hast du vor?

Adrian: Dem Wind kann ich nicht befehlen, aber ich kann ihn vielleicht einfangen.

Mann: Ich versteh’ nicht so recht. Versuch es einfach! Nimm’, was du brauchst.

Adrian wendet seine Erfindung auf den Kreis an und es gelingt ihm, den Schriftzug auf dem Boden zu entfernen.

Adrian: Es scheint so, als habe Gott unsere Gebete erhört.

Rabbi Kalonymos: Ich werde die unglaubliche Anmaßung dieses Satzes nicht kommentieren, doch ich danke Gott wie so oft dafür, dass er einen seiner Söhne inspiriert hat.

Rabbi Isaak: Wie können wir Euch danken?

Adrian nutzt die Gelegenheit und versucht so viel wie möglich über den jüdischen Glauben, Sitten und Gebräuche in Erfahrung zu bringen. Zunächst jedoch erkundigt er sich nach Hayyat: Habt Ihr von einem Prediger gehört, der etwas zu viel Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat und den der Statthalter einsperren ließ?

Rabbi Kalonymos: Von ihm gehört? IHN haben wir zu viel gehört! Ein Moralprediger, der unsere heiligsten Bräuche kritisierte!

Adrian: Ich habe gehört, dass eine Reliquie, die Millets spaltet...

Rabbi Kalonymos: Ihr sprecht vom Dolch Abrahams. Wir lehnen es ab, dass der Vater der Hebräer auf diese Weise zur Geisel der Moslems wird.

Adrian: Ist Abraham nicht der Vater aller Gläubigen?

Rabbi Isaak: Er ist der Vater Isaaks, der Großvater Jakobs und der Urgroßvater Josephs, von dem  ein Ahnherr wiederum der Vater Moses’ war. All’ das wissen wir. Aber dass er der Vater der Diener Mohammeds ist, wer sagt das?

Adrian: Die Diener Mohammeds.

Rabbi Kalonymos: Nein, eine Reliquie Abrahams gehört dem „Erwählten Volk“, das er mit all’ seiner Weisheit führte  - und sonst keinem.

Adrian: Warum behauptet ihr, dass die Hebräer das „Erwählte Volk“ sind?

Rabbi Kalonymos: Der Bundesschluss zwischen Gott und den Hebräern nach ihrem Auszug aus Ägypten macht aus uns ein Volk der Priester, dessen Bestimmung es ist, die Botschaft des alleinigen Gottes in alle Länder zu tragen. – es handelt sich um ein Privileg, das uns mit vielen Pflichten und wenig Rechten versieht. Das dürfen wir nie vergessen, wollen wir unsere Aufgabe nicht versäumen.

Adrian: Warum ließ sich das hebräische Volk in Ägypten nieder?

Rabbi Kalonymos: Es war gar keine freiwillige Niederlassung, ganz im Gegenteil! Dreizehn Jahrhunderte vor Christi Geburt war Palästina Schauplatz eines langen und blutigen Krieges zwischen den Ägyptern und den Hethitern. Als die Feinde schließlich einen Friedensvertrag unterzeichneten, ging das Gebiet, in dem die Hebräer lebten, an Ägypten, welches unsere Urväter zu Sklaven machte. Doch Moses versammelte unser Volk und befreite es aus der Knechtschaft, indem er es ins „Gelobte Land“ – nach Kanaan – führte. So steht es im Buch des Exodus.

Adrian bittet den Rabbi, sich die Synagoge ansehen zu dürfen: Erlaubt ihr mir bitte, dass ich eintrete und Eure Synagoge bewundere?

Rabbi Kalonymos: Mit großer Freude, junger Mann. Folgt mir! Hier betrittst Du die vielleicht älteste Synagoge Jerusalems. Wir nennen sie die Synagoge Ramban, eine Verformung des Eigennamens Maimonides. Die Geschichte dieses Mannes ist erbaulich. Willst du sie hören?

Adrian: Ja, darüber würde ich mich freuen.

Rabbi Kalonymos: Rabbi Maimonides lebte Ende des 12. Jahrhunderts nach Christus in Spanien. Ein jüdischer Apostat forderte ihn heraus, die Überlegenheit des jüdischen Glaubens zu beweisen. Nach einem tage- und nächtelangem Wortgefecht erklärte der König von Aragonien den Rabbi zum Sieger. Das verschaffte dem alten Rabbi viele Feinde, und er musste ins Exil. Sein Weg führte ihn nach Jerusalem, wo damals nur noch zwei Juden – zwei Brüder – unter dreitausend christlichen und islamischen Ger Tochav lebten. Mit ihnen erbaute er diese Synagoge und entfachte erneut den Glauben unserer Väter im Heiligen Land.

Adrian: Was bedeutet Apostasie genau?

Rabbi Kalonymos: Das ist der Abfall von seinem Glauben, mein Kind. Es kann durch eine persönliche Initiative oder durch Drohung zu diesem Abfall kommen. Wie es vor kaum ein paar Jahrzehnten bei unserem in Spanien und Portugal lebenden Volk der Fall war. Sie hatten nur die Wahl zwischen dem Glaubenswechsel, dem Exil oder dem Tod.

Adrian: Was bedeutet Ger Tochav?

Rabbi Kalonymos: So bezeichnen die Juden die Christen und die Moslems, denn sie richten sich ganz nach den sieben Gesetzen, die Gott – gelobt sei er – Noah überreichte, damit er sie an die ganze Menschheit weitergibt. Diejenigen, die diese Gebote nicht kennen, nennen wir Akum, was Sternen- und Sonnenanbeter bedeutet. Die Synagoge ist nur die äußere Haut, die gebaut wurde, um die Heilige Lade – genannt Aron ha Kodesch  – zu schützen. In ihr sind die Schriftrollen, auf denen das Sefer Thora, die fünf Bücher Mose geschrieben stehen, verwahrt.

Adrians Blick fällt auf eine Treppe, die zu einer Plattform führt. Der Rabbi erklärt ihm, dass es sich dabei um die Kanzel handelt: Hier, mein Freund, liest der Rabbi dreimal pro Woche sowie an Feiertagen die Thora vor. Diese Kanzel nennen wir Bema.  Adrian wendet sich nach rechts und erblickt einen Vorhang. Als er diesen berührt erfährt er vom Rabbi Kalonymos: Dieses Gitter ist die Me’hitsa. Es trennt die Männer und die Frauen während des Gebets.

Adrian: Was für einen Stellenwert hat das Gebet in der jüdischen Religion?

Rabbi Kalonymos: Sein Stellenwert ist sehr groß. Beten bedeutet für uns weniger etwas zu erbitten, als unser Vertrauen zum ewigen Gott auszudrücken. Derjenige, der Jahwe in seinem Herzen trägt, dankt seinem Schöpfer bei jedem Atemzug für das Geschenk des Lebens.

Nachdem er sich alles gründlich angesehen hat, verabschiedet sich Adrian und verlässt die jüdische Synagoge durch die Tür. Er begibt sich zurück auf die Karte, wo er nun die Grabeskirche anwählt.

Auch hier auf der Esplanade vor der Grabeskirche befindet sich ein Kreis auf dem Boden. Beim Betreten des Areals fällt Adrians Blick zunächst auf zwei Bettler. Vor dem Kreis auf dem Boden bemerkt er zwei Männer, von denen einer eine Münze auf den Kreis auf dem Boden wirft, in dem in griechischer Schrift das Wort „Glaube“ zu lesen ist. Adrian geht geradeaus und wendet sich dann nach links. Er betritt den Innenhof vor der Grabeskirche durch die Säulenreihe. Dort wendet er sich nach rechts und spricht die zwei Bettler an:, die sich offensichtlich vor Hunger verzehren: Warum wartet ihr hier?

Bettler: Wir haben Hunger, und da wir sahen wie großzügig sie plötzlich gegenüber einem Zeichen auf dem Boden sind, haben wir uns gedacht...

Adrian verspricht ihnen voller Mitleid, sich um ihre Belange zu kümmern: Ich schaue einmal, was ich für euch tun kann.

Er spricht die Männer an, die gerade Münzen auf den Kreis auf dem Boden geworfen haben und muss erkennen, dass diese in ihrem Aberglauben und ihrer Überheblichkeit offensichtlich alle christlichen Tugenden vergessen haben: Bitte entschuldigt die Störung. Aber könnt ihr mir sagen, was dieser Krach soll?

Männer: Der Kreis ist beim Morgengrauen erschienen. Anscheinend wird einem ein Wunsch erfüllt, wenn man eine Münze wirft und betet.

Adrian: Wer hat das gesagt?

Mann1: Oh, das weiß ich nicht. Aber schaden kann es nicht. Und außerdem – das Zeichen ist tatsächlich da.

Adrian: Wäre es nicht eine gute Christentat, wenn ihr diese Münzen den Bedürftigen gäbet?

Mann2: Jetzt, wo wir uns schon etwas gewünscht haben. Nun jetzt haben wir Angst, dass unsere Wünsche nicht in Erfüllung gehen, wenn wir die Münzen wieder einsammeln. Aber wisst ihr, was die Münzen anbelangt, nun wenn es Nacht ist, brauchen sie die Armen nur aufzulesen. Und so sind wir alle zufrieden.

Adrian: Aus Aberglauben stiftet ihr die Ärmsten unter den Armen zum Diebstahl an.

Mann1: Jetzt reicht es aber! Wer seid Ihr, um Moral zu predigen – ein Priester, ein Pope, ein Mönch? Seht Fremder, der Archimandrit Palamedes steht vor der Tür. Wenn er dagegen wäre, dann würde er uns davon abhalten.

Adrian: Was ist ein Archimandrit?

Mann1: Das ist ein Ehrentitel, den hochgestellte Geistliche wie zum Beispiel Popen in unserer heiligen orthodoxen Kirche tragen. Aber seid Ihr nun hier um zu bekehren oder um zu lernen?

Adrian: Warum betet ihr auf dem Boden vor diesem Zeichen?

Mann2: Man spricht von einem Wunder!

Adrian: Wer ist „man“?

Mann2: Hört gut zu! Der Sarkasmus eines Fremden kann mir gestohlen bleiben. Jedermann betet es seit heute Morgen an. Ist das kein Beweis?

Adrian: Im Namen der Barmherzigkeit. Wollt ihr nicht eher den Armen geben, als in eure Hoffnung investieren?

Mann2: Hätte Gott dies gewollt, so hätte er das Wort „Barmherzigkeit“ erscheinen lassen. Doch das Wort „Glaube“ ist markiert! Deine lästerlichen Predigten kannst Du dir also sonst wohin stecken! Und außerdem scheint es den Popen nicht besonders zu schockieren!

Da Adrian die Männer nicht überzeugen und zur Mildtätigkeit bewegen kann, wendet er sich an den Popen, der vor der Tür zur Grabeskirche steht: Was haltet ihr von dem, was hier vor sich geht?

Pope/Archimandrit Palamedes: Ich beobachte, mein Sohn. Ich beobachte und ich lerne.

Adrian: Das Zeichen, mein Vater. Glaubt Ihr wirklich, dass es von Gott kommt?

Pope: Wie klug wäre jener, der dies wüsste.

Adrian: Wäre dieses Geld nicht besser verwendet, wenn es den Bedürftigen zukäme? Ich würde ihnen selbstverständlich sofort die paar kleinen Münzen geben, die ich besitze. Doch sind sie weniger wert als diese dort.

Pope: Ich sehe, was dich plagt. Aber es gibt sicher einen Weg, deinem Verlangen nach Gerechtigkeit und dem Wunsch eines Jeden nachzukommen.

Adrian wendet sich also dem Kreis zu und wirft alle seine Münzen. Seine geringe Habe findet ihren Platz neben den bereits vorhandenen Goldmünzen im Kreis, was die Männer empört: Frevelei, Frevelei!

Pope: Was machst du denn, mein Sohn?

Adrian: Auch ich wünsche mir etwas. Nämlich, dass die Armen nicht mehr hungern und zu Rechtens glaubt ihr an ein Wunder. Schaut nur! Je mehr kleine Münzen ich wegwerfe, desto mehr geht mein Wunsch in Erfüllung. Als Adrian seine gesamte Habe geopfert hat, nimmt ihn der Pope mit in die Grabeskirche.

 

Pope: Obwohl deine Hand zitterte, waren deine Absichten überaus lobenswert. Komm’ mit mir in die Kirche des Herrn. Du hast dich ihrer würdig erwiesen.

Ich sage es dir, mein Sohn, ob nun Hirte der Seelen oder einfach nur Hirte: Die wichtigste Tugend ist die Geduld

Adrian: Sie wussten nicht, was sie taten.

Pope: Jesus sagte dies von seinen Verfolger, und er gab uns das Beispiel der Vergebung. Doch ...

Adrian kritisiert die Haltung des Popen in Bezug auf die Männer auf der Esplanade: Ich weiß, doch der Hirte kann von Zeit zu Zeit seine Lämmer ein wenig mehr in den Hintern treten.

Pope: Hmm. Anscheinend fehlt es dir weder an Herz noch an Geist. Kann ich dir auch einen Gefallen tun?

 

Adrian fragt nun auch den Popen nach Hayyat aus: Habt Ihr von einem Mann namens Hayyat gehört?

Pope: Ja, er kam oft zu mir. Ich weiß, dass er ins Gefängnis gesteckt wurde. Oftmals werden hochgelehrte und von hohen Idealen getriebene Männer schlecht akzeptiert.

Adrian: Was denkt ihr wirklich über dieses Zeichen?

Pope: Es wurde selbstverständlich von Menschenhand gezeichnet. Ob jene Person nun ein Instrument Gottes war, das weiß ich nicht.

Adrian: Man erzählte mir von einem Streit um einen Dolch

Pope: Dieser Dolch ist Gegenstand einer lebhaften Polemik zwischen den Millets und der ottomanischen Macht. Wir Christen behaupten, dass er nur in der Grabeskirche verwahrt werden kann.

Adrian: Bitte, nehmt mir meine Bemerkung nicht übel, aber Abraham ist in allen drei Religionen des Buches ein großer Prophet.

Pope: Eben. Die Grabeskirche ist die einzige heilige Stätte, in der alle den Dolch verehren können. Die Moscheen sind uns verboten, und die Synagoge ist viel zu klein. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit und des gesunden Menschenverstandes.

In seinem Wissensdurst versucht Adrian mehr über die Christen in dieser Stadt in Erfahrung zu bringen.

Adrian: Wie ist die christliche Gemeinschaft in Jerusalem aufgeteilt?

Pope: Wir befinden uns in der Stadt, in der Christus predigte, und wo er die Passion erlitt. Und unglücklicherweise sind seine Anhänger selbst hier in mehrere Familien zersplittert. Die Franziskaner des lateinischen Rituals sind im Kloster des Tempelbergs Zion, nun außerhalb der Stadtmauern. Die monophysitischen Armenier machen seit ewigen Zeiten Wallfahrten nach Jerusalem. Einige von ihnen sind geblieben. Sie befinden sich im südwestlichen Teil der Stadt um die Jakobi-Kathedrale herum. Wir anderen, die orthodoxen Christen, haben diesen heiligen Ort für uns.

Adrian: Was bedeutet monophysitisch?

Pope: Die Armenier, die ägyptischen Kopten und die Jakobiter Syriens glauben, dass Jesus Christus nur eine Natur hat. Ihre Doktrin wurde während eines Konzils im 5. Jahrhundert zugunsten der Formel von den zwei Naturen, der menschlichen als auch der göttlichen Natur des Sohns der Maria, verurteilt. Siehst du, es gibt viele Arten der christlichen Glaubenslehre. Kein Geringerer als Jesus selbst wusste dies. Und sagte er nicht: „Im Hause meines Vaters ist viel Platz“.

Adrian: Warum sind die Kirche des Ostens und die Kirche des Westens getrennt?

Pope: Die Theologen des Abendlandes glauben, dass der heilige Geist dem Sohn Gottes und Gottvater untergeordnet ist. 1054 trennten sich die beiden Kirchen wegen dieser Unterscheidung.  Denn wenn der Heilige Geist dem Sohn Gottes untergeordnet ist, dann ist er es auch dem Papst, dessen weltlichem Vertreter. Wir dagegen glauben, dass jeder Gläubige einen Teil des Heiligen Geistes in sich trägt.

Adrian: Was versteht ihr unter dem lateinischen Ritual, Vater?

Pope: Das ist das Ritual der Katholiken, der Christen, die sich der Autorität des römischen Papstes unterstellen.

Adrian: Wodurch unterscheidet sich das orthodoxe Ritual vom lateinischen?

Pope: Du stellst eine Frage, die einfach und komplex zugleich ist. Sagen wir, die Katholiken haben sich dazu entschieden, dem römischen Papst bedingungslos zu folgen, wogegen wir anderen, die Orthodoxen, unseren Landeskirchen treu blieben.

Adrian bittet den Popen nun, sich die Kirche ansehen zu dürfen.

Adrian: Hättet Ihr Zeit, mir die Wunder der Grabeskirche zu zeigen?

Pope: Es wäre mir eine Freude, dieses Heiligtum in deiner Begleitung zu besuchen. Adrian blickt sich im Innern der Grabeskirche um, und ein seltsames Gestell, das er beim Betreten der Kirche bereits hinter dem Popen im Innern der Kirche bemerkt hat, weckt sein Interesse. Daran sind sechs kleine Gefäße aufgehängt. Er fragt den Popen danach, der ihm eine umfassende Antwort liefert: Mein Sohn, das ist der Stein der Ölung. Für die Katholiken ist dies der Ort, an dem Christus einbalsamiert wurde. Für die Orthodoxen aber ist dieses die Stelle, an dem der Leib Christi den Salmen übergeben wurde und wo seine Mutter ihn beweinte. Adrian begibt sich weiter auf seinem Rundgang durch die Kirche, die ihn ins Innere einer kleinen Kapelle führt. Erläuternd sagt ihm der Pope: Wir sehen hier das Herz des Heiligtums -  das Grab, in dem der gemarterte Leib unseres Messias drei Tage und drei Nächte lang in der Erde ruhte, bevor er auferstand in aller Herrlichkeit und auf alle Ewigkeit. Hier ruht das tiefe Mysterium unseres Glaubens. Auf der anderen Seite des großen Innenraumes führt der Weg zum Altarraum, den Adrian jedoch nicht betreten kann. Er kehrt also zum Eingang der Grabeskirche zurück, bedankt sich beim Priester und verlässt das Gotteshaus: Vielen Dank, mein Vater – und vielleicht bis bald.

Vor der Tür wird er von einem seltsamen Mann erwartet, der des Lobes voll ist darüber, wie Adrian mit den abergläubischen Christen umgegangen ist. Während des Gesprächs, in dem der von diesem Fremden über seine Erkenntnisse an diesem seinem ersten Tag in Jerusalem ausgefragt wird, beschleicht Adrian eine seltsame Ahnung. Zunächst hält er ihn für einen Spitzel von Ibrahim, dem Kämmerer, kommt jedoch dann zu dem Schluss, dass es sich bei dem Fremden um Hayyat, den ausgebrochenen Gefangenen handelt.

Der Fremde: Meine Glückwünsche!

Adrian: Glückwünsche? Wofür?

Der Fremde: Ich habe beobachtet, wie du mit diesen abergläubischen Auswüchsen umgegangen bist.

Adrian: Ihr folgt mir also! Hat Euch Ibrahim geschickt?

Der Fremde: Deinem Scharfsinn entgeht auch gar nichts.

Adrian: Du bist zu meinem Schutz da!

Der Fremde:  Aus welch’ anderem Grund. Sag’ mir, welche Lehre hast du aus deinem Rundgang des ersten Tages gezogen?

Adrian: Ich traf Menschen, die sofort bereit waren, dem erstbesten Zeichen Bedeutung zu schenken - und das vor allen Dingen zu ihren Gunsten.

Der Fremde: Aberglaube folgt dem Hochmut und gehorcht ihm wie einem Vater!

Adrian: Ist dies nicht ein Satz, den man Sokrates zuschreibt? Mein Spion entpuppt sich als Philosoph!

Der Fremde: Was für ein hässliches Wort! Schutzengel wäre mir lieber!  ... Hast Du noch etwas anderes bemerkt?

Adrian: Nun, ich sah den Gläubigen und seinen Glauben. Der Allmächtige, der einzige Gott, der sich uns offenbarte, bedeutet für uns alle Liebe und Barmherzigkeit. Ich hörte, wie er unter drei Namen verehrt wurde. Ich sah die heiligen Stätten, die die Menschen für ihn errichteten. Ich sprach mit den Hütern dieser Stätten, und jeder von ihnen sprach voller Weisheit und Anmut über den Menschen.

Der Fremde: Drei Stimmen, die demselben Wort dienen. Glaubst Du, dass sie eines Tages in einem einzigen Ton erklingen?

Adrian: Ist dies ein Wunsch, den du hast?  Tja, in Ibrahims Diensten befinden sich erstaunliche Leute...

Der Fremde: Ich stehe vor allem im Dienste Gottes. – Hast Du noch etwas gelernt?

Adrian: Ich sah, wie viel Kraft und Macht der Glaube den Gläubigen gibt.

Der Fremde: Und was für eine Macht? Zugang zum Unsichtbaren. Die Erkenntnis, dass man die Wirklichkeit nicht auf die Scheinwelt reduzieren kann. Eine Wahrheit, die der Glaube vermittelt, und die sich in allen Lebenslagen als nützlich erweist. Sag mir, ist es dir nicht schon oft so ergangen, dass du, nachdem du lange nach etwas gesucht hast, bemerkt hast, dass dies von Anfang an vor deinen Augen lag?

Adrian: Sehr oft. Was ist das deiner Meinung nach für ein Schleier, der uns blind macht?

Der Fremde: Vanitas vanitatem. Alles ist eitel. Ich muss dich nun verlassen. Auf dass meine erbärmliche Verkleidung zu etwas nütze war. ... Doch eh er geschaut, weissagt kein Mensch die Geschicke der Zukunft. Ha, Ha...

Adrian ist sich jetzt fast sicher, dass es sich bei diesem geheimnisvollen Fremden keineswegs um einen der Leute Ibrahims handelt. Sollte er Hayyat, dem seltsamen Schwärmer, in einer ungewöhnlichen Verkleidung begegnet sein?

 

Nach dem Gespräch reicht ihm der Fremde eine Dattel. Adrian nimmt sie (einfach klicken) und gelangt automatisch zurück zum Palast des Statthalters, vor dessen Toren er bereits ungeduldig von Özdemir, dem Tschavusch erwartet wird: Adrian, gibt es Neues?

Adrian: Wir sind auf der richtigen Spur. Das Wort „Glaube“ war  an den drei angegebenen Stellen aufgezeichnet.

Özdemir: Das bedeutet, dass wir unserem Mann ganz nahe sind .

Adrian: Und dass er will, das wir ihn finden.

Özdemir: Ein Mann also, der wie nach einem Mord oder einer Entführung Indizien streut, damit man seine Spur findet. Was treibt ihn wohl, sich derart in Gefahr zu bringen?

Adrian: Vanitas, vanitatem

Özdemir: Vanitas, vanitatem. Alles ist eitel. Warum zitierst du Salomo?

Adrian: Ein seltsamer Mann, ich werde es Dir erzählen. Gehen wir zum Statthalter.

Im Ratssaal wartet der Statthalter schon auf Neuigkeiten, die ihm seine entführte Tochter Hykmah zurückbringen könnten. Hier im Ratssaal  befinden sich neben Özdemir auch Ibrahim, der Kämmerer und einige Wachen, die Janitscharen.

Statthalter: Nun, gibt es Fortschritte?

Adrian: Schon ein paar Stunden, nach seiner Flucht hat unser Mann das Wort „Glaube“ an den drei Orten aufgezeichnet, die ich Euch genannt habe. Das führt uns sicherlich zu ihm. Aber wo und wie?

Statthalter: Also, fassen wir zusammen.

Adrian: (Statthalter anklicken  und Antworten wählen – zunächst „Weg“) Er ließ uns den Weg des Glaubens gehen, indem er uns zu Kultstätten schickte. Jetzt sollte er uns auf den Pfad der „Hoffnung“ führen.

Statthalter: Hayyat denkt und handelt in Analogien. Die Gemeinsamkeiten wird er uns nun entdecken lassen.

Adrian: Den einzigen Gott?

Statthalter: Gehörte der nicht schon zur Lektion des Triptychons?

Adrian: Die Kultstätten?

Statthalter: Sie scheinen mir zu verschieden, als dass sie ein derartiges Symbol darstellen könnten.

Adrian: Das Gebet?

Statthalter: Und?

Adrian überdenkt noch einmal die Worte des Fremden (Hayyat) vor der Grabeskirche: Vanitas, vanitatem. Alles ist eitel. Ich muss dich nun verlassen. Auf dass meine erbärmliche Verkleidung zu etwas nütze war. Doch eh er geschaut, weissagt kein Mensch die Geschicke der Zukunft. Da fällt ihm die Dattel in seinem Gepäck ein, die ihm der Fremde überreicht hat. Er sieht sich den Gegenstand an, der etwas zu verbergen scheint. Adrian dreht sich um, geht einen Schritt geradeaus und wendet sich dann nach rechts. Dort befinden sich einige kleine Tischchen, auf denen insgesamt drei Obstschalen stehen. (links eine, rechts zwei). Adrian wendet sich dem kleinen Tisch auf der linken Seite zu und bemerkt links neben der Obstschale auf einem weiteren Tischchen ein Obstmesser. Dieses steckt er ein. Dann schneidet er die Dattel damit auf (im Inventar Messer mit Dattel benutzen). Eine Nachricht kommt zum Vorschein, die von dem Fremden offensichtlich in der Frucht versteckt wurde.

Statthalter: Wo habt ihr diese Frucht gefunden?

Adrian: Die Schutzwache, die mir Euer Ratgeber zugeteilt hat, hat sie mir gegeben.

Ibrahim: Was, ich habe niemanden zugeteilt.

Statthalter: Ibrahim, ich habe dir gesagt, du sollst dem Sekretär freie Hand lassen.

Adrian sieht sich nun in seiner Vermutung bestätigt, dass es sich bei dem Fremden vor der Grabeskirche um Hayyat handelte: Ibrahim sagt offensichtlich die Wahrheit. Ich ließ mich zum Narren halten. Dann habe ich also den getroffen, den wir suchen.

Statthalter: Was besagt die Nachricht?

Adrian teilt ihm mit, dass es sich um ein weiteres Rätsel handelt: „Drei wie die drei Seiten eines Dreiecks, in der Mitte das offenbarte Wort und die Engel, der Erwählte der Patriarchen, das Gotteslamm und das Siegel der Propheten.“

Plötzlich kommt Adrian eine Idee. Er eilt in die Bibliothek, um dem Sufi von seinen Neuigkeiten Mitteilung zu machen und sich von ihm bei der Lösung des Problems helfen zu lassen. Der Schriftgelehrte ist schon gespannt auf das, was ihm Adrian zu berichten hat: Hast du interessante Dinge herausgefunden?

Adrian: Der Verrückte hat uns eine neue Nachricht zukommen lassen: „Drei wie die drei Seiten eines Dreiecks, in der Mitte das offenbarte Wort und die Engel, der Erwählte der Patriarchen, das Gotteslamm und das Siegel der Propheten.“

Sufi: Der Mann ist offensichtlich von der Zahl 3 besessen, und er drückt sich gerne in Rätseln aus.

Adrian: Er hat Salomos Einleitung zitiert: „Vanitas, vanitatem“.

Sufi: Eitelkeit? Daran fehlt es ihm scheinbar nicht. Wir müssen herausfinden, was er damit sagen will.

Adrian: Das Gotteslamm, das ist eindeutig ein Symbol. Aber was bedeutet es in unserem Rätsel?

Sufi: Das sagt er uns doch. Es ist ein Element der Triangulation, mit deren Hilfe uns das Wort offenbart wird. Die Deutung dieses Bildes ist einfach: Johannes der Täufer, der Christus als erster ‚Lamm Gottes’ nannte.

Adrian: Hayyat zitiert den „Erwählten der Patriarchen“! Was bedeutet das?

Sufi: Du stellst mir eine schwierige Frage. Jakob ist gemäß dem Glauben des Hebräischen Volkes der „Erwählte der Patriarchen“.

Adrian: Ich kenne das Leben Jakobs nicht besonders gut.

Sufi: Er ist der Enkel Abrahams und der Sohn Isaaks. Jakob hatte einen Zwillingsbruder, Esau, dessen Erstgeburtsrecht er mit Hilfe seiner Mutter Rebecca usurpierte. Um dem Zorn seines Bruders zu entgehen, floh er zu seinem Onkel, dessen beide Töchter er ehelichte. Von ihnen und ihren Mägden hatte er zwölf Söhne, die Urväter der zwölf Stämme des jüdischen Volkes.

Adrian: „Das Siegel der Propheten“, glaubst du, dass Hayyat damit eine Person meint?

Sufi: Ich glaube es nicht, Dhimmi, ich weiß es. So nennen wir Mohammed, denn er schließt – so glauben wir – den Kreis der Offenbarung. Nach ihm entsendet Gott keinen Propheten mehr,und die Menschheit muss das Ende aller Zeiten abwarten, bis der Schleier sich hebt, der die Mysterien des Göttlichen verhüllt.

Adrian: Was verstehen die Gottesmänner genau unter dem „offenbarten Wort“?

Sufi: Es gibt für die Menschen 4 Arten die Welt zu denken. Eine dieser Arten ist den drei Religionen des Buches eigen. Sie besagt, dass das Universum Frucht eines einzigen schöpferischen Willens ist, den wir Gott nennen. Er offenbart sich durch die Propheten, denen er die für die Menschen, seine geliebten Kreaturen, bestimmten Gebote und Pläne mitteilt.

Adrian: Wie sehen die anderen Weltanschauungen aus?

Sufi: Eine geht davon aus, dass die sichtbare Welt nur eine reine Illusion ist, und dass die ganze menschliche Energie darauf verwandt werden soll, den Schleier des Scheins, der die Wahrheit verdunkelt, zu durchbrechen. So denken bestimmte weise Männer in Indien.

Adrian: Die dritte?

Sufi: Nun, der Mensch kann so hochmütig sein und zum Schluss kommen, dass die Wirklichkeit nur aus dem physikalisch-materiellen Universum besteht. Und dass jenes keinerlei geistige Substanz besitzt. Diese Denker nennt man Materialisten. Viele Philosophen des alten Griechenlands dachten so wie z.B. Xenophanes und Parmenides. Das ist die dritte Weltanschauung.

Adrian: Du hast 4 Weltanschauungen erwähnt! Welches ist die letzte?

Sufi: Oh, dies ist die gefährlichste. Es ist die der Götzenanbetung. Sie geht davon aus, dass es keinen einzigen Schöpfer des Universums gibt, sondern dass der sichtbare Raum von Kräften bevölkert ist, mit denen man in Kontakt treten kann. Das ist der Pfad der Heiden, die in früheren Zeiten in deiner und unserer Welt lebten. Das war die Religion der Araber, bevor ihnen Mohammed das Wort Allahs brachte. Wir nennen jene Zeit „Schahidijjah“, die Zeit der Unwissenheit. Doch diese Ära ist vorbei.

Nach diesem aufschlussreichen Gespräch begibt sich Adrian ins Gefängnis, wo er bereits von Özdemir erwartet wird: Hast du interessante Dinge herausgefunden?

Adrian: Ein Wort sollen wir finden, in einem Dreieck, gestützt auf drei Worte, gekennzeichnet durch Jakob, Jesus und Mohammed.

Özdemir: Während ich auf dich wartete, habe ich diese drei Karten, die er gezeichnet hat, angesehen. Liegt hier vielleicht die Antwort?

Adrian überlegt und kommt zu folgendem Schluss: Ein Dreieck, das die Karten verbindet. Die Ecken wären demnach 2x der Felsendom...

Özdemir: In Erinnerung an Jakob und Mohammed.

Adrian: Und einmal die Grabeskirche - in Erinnerung an Jesus.

Adrian sieht sich im Gefängnis um und sucht nach einem Gegenstand, mit dem er ein Dreieck auf die Wand zeichnen kann, um so die drei Wandfresken miteinander zu verbinden. Auf einem Tisch entdeckt er ein Messer, ein Tuch, einen Krug und einen Nagel. Er dreht sich um und findet auf einem Mauervorsprung rechts vom Bett Farbpigmente, eine leere Trinkschale und einen Pinsel (leerer Kalam). Im Inventar gießt er das Wasser aus dem Krug in die leere Trinkschale und fügt dann die Farbpigmente hinzu. In die mit Wasser vermengten Pigmente taucht er den Pinsel (leerer Kalem), der sich gelb färbt (Kalam).

 

Sobald dies geschehen ist, wendet er sich den Wandfresken zu. Er fährt mit dem Pinsel über die Zeichnungen (zunächst die rechte, dann die in der Mitte und zuletzt die linke). An den Stellen, an denen das Gelb des Pinsels hell aufleuchtet, klickt er jeweils (kleine Kreise bzw. Kreuze. Sobald er die richtigen Stellen gefunden hat, sieht man in das genannte Dreieck auf die Wand zeichnen. Nachdem das Werk vollendet ist, erscheint inmitten des Dreiecks ein Wachspfropfen an der Wand.

 

Offensichtlich verbirgt sich etwas dahinter. Adrian überlegt, wie er den Pfropfen entfernen kann. Er sieht in sein Gepäck und bemerkt den Nagel, den er zuvor auf dem Tisch gefunden hat. Wenn er diesen erhitzen könnte, müsste es ihm gelingen, das Wachs zu schmelzen. Adrian kehrt zurück zu dem Tisch in der Zelle, auf dem er zuvor eine brennende Kerze bemerkt hat. Im Inventar verbindet er den Nagel mit dem Stück Tuch (, um sich nicht zu verbrennen) und hält dann den so kombinierten Gegenstand in die Flamme. Den nun glühenden Nagel bohrt er in den Pfropfen an der Wand, worauf das Wachs schmilzt. („Jetzt kann ich es wegkratzen“).

 

Dahinter kommt eine verborgene Schriftrolle zum Vorschein. Adrian liest das Dokument und versucht dessen Sinn zu begreifen: "Bei mir", Boten. Die Spur des höchsten Irrsinns bestätigt sich also. Die Ecken sind die Orte der drei Offenbarungen. Und das offenbarte Wort ist nicht das Wort Gottes, sondern sein eigenes. Ist sie nicht seltsam, diese Form der höchsten Eitelkeit? Ein Mann, der sein Wort für das Wort Gottes hält, und der sich trotzdem selbst der Eitelkeit bezichtigt

 

Özdemir: Oder wir haben sein Zitat Salomos nicht richtig interpretiert. Er hält sich zwar nicht für Gott, doch für den Kohelet, den König von Jerusalem und Verfasser dieses Buches, den die Tradition mit Salomo identifiziert.

Adrian: Und...?

Özdemir: Und er bezieht sich nicht so sehr auf die Einleitung als auf die Schlussfolgerung ‚vanitas vanitatem’, sagt der Kohelet, ‚alles ist eitel’. Was ihn noch weiser macht, ist, dass er dem Volk die Wissenschaft lehrte.

Adrian: Doch noch müssen wir entdecken, welche Wissenschaft er uns lehren will.

Özdemir: Tun wir das, was er uns rät. Entledigen wir uns unserer Eitelkeiten und gehen wir zu ihm, um dort diese berühmten Boten zu finden. Ibrahim muss wissen, wo er wohnte, bevor er eingesperrt wurde. Ich werde ihn bitten, uns dorthin zu führen.

Hayyat fordert seine Verfolger mit dieser Botschaft auf, in seinem Haus nach weiteren Nachrichten zu suchen. Offensichtlich scheint also die Lösung aller Fragen nur in Hayyats Behausung zu finden sein.

 

© Copyright Renate Pieper

 

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